65. internationale Springertage: Einstieg in die Saison der Wasserspringer

Ihre Haut ist trocken und riecht nach Chlor. Ein Blick auf die Armbanduhr verrät, dass das Training schon länger vorbei ist und sie noch immer an ihrem ersten Bier hängen und darüber diskutieren, was einen guten Wettkampf für Turmspringer ausmacht. So oder ähnlich könnte es gewesen sein, als Max Kinast und Heinz Kitzig in der damaligen Gaststätte der Neptun-Schwimmhalle ihr Feierabendbier tranken und die gedankliche Geburt des internationalen Springertages stattfand. Am 1. Dezember 1956 sollte dann die erste Auflage unter ihrer Regie erfolgen. Im Jahr 2020 feiert die Veranstaltung nun vom 20. bis 23. Februar ihren 65. Geburtstag. Somit ein guter Grund die Korken knallen zu lassen und einen Blick vor und zurück zu werfen.

Die Halle ruht und wartet auf das Eintauchen des angespannten Körpers, der filigran nach zwei Hüpfern auf dem Brett in Anspannung verfallen ist und regungslos Richtung Wasser fällt. Nichts was ihn außer Ruhe bringt, erst der Platscher erlöst das Publikum und Applaus brandet auf. Familie und Freunde sind außer sich: Was für ein Sprung. Solche Momente und die dadurch ausgelösten Gefühle werden ab dem 20. Februar in der Neptun-Schwimmhalle ausreichend wahrzunehmen sein. Die 65. Springertage stehen auf dem Programm und begrüßen mehr als 100 internationale Wassersportler in Rostock. Sie sind der Gradmesser für die internationalen Wasserspringer und finden immer im Anschluss an die Weltmeisterschaften statt. In diesem Jahr haben sich zum ersten Mal auch der Iran und Jamaika angemeldet, wodurch die bunte Familie der Wasserspringer nochmal Zuwachs bekommt. Antreten werden Frauen und Männer – allein oder im Team – im Turm- und Kunstspringen. Wer letztlich genau auf der Liste der Teilnehmenden steht, entscheidet sich auf den nationalen Vorentscheidungen und in Deutschland auf der Weltmeisterschaft im Turmspringen. Großes Ziel ist es für die Sportler*innen in diesem Jahr eine Qualifizierung für den Weltcup in Tokio zu erhalten und damit eventuell einen der begehrten Plätze für die Olympischen Sommerspiele 2020. Gesetz für Deutschland sind bereits Patrick Hausding (Kunstspringen 3 Meter) aus Berlin und Tina Punzel (Kunstspringen 3 Meter) aus Dresden. Deutschland zählt zudem zu den führenden Nationen im Wasserspringen und Rostock hat im Speziellen als Olympiastützpunkt eine entsprechende Verantwortung dem Sport gegenüber. Somit haben die Springertage für den Leistungssport eine tragende Rolle.

Zu verdanken haben sie diesen internationalen Erfolg wohl auch dem Umstand, dass die Springer der Wendezeit sich dafür engagiert haben, dass das Ereignis in unserer Hansestadt am Leben gehalten wurde. Am 9. Oktober 1990 wurde der Verein der Wasserspringer neu gegründet und blieb durch die Erweiterung um den FINA Diving Grand Prix ein internationaler Messgrad für die Elite unter den Springern.

Der Austragungsort: Die Neptun-Schwimmhalle

Damit die vier Tage in diesem Jahr wieder reibungslos ablaufen, setzt Andreas Kriehn (Chef des Organisationsteams) alles daran, dass in der Neptun-Schwimmhalle die Bahnen auch richtig ausgerichtet sind. Er wie alle anderen Helfer wirken ehrenamtlich an diesen Tagen und im Vorfeld mit. Hinzu kommen die zahlreichen Unterstützer wie unter anderem die Hansestadt Rostock, die Stadtwerke Rostock und das Landesmarketing MV. Sie alle geben dem Tag den besonderen Schliff. „Es sind die Eltern von Springern oder ehemalige Springer selbst, die uns ehrenamtlich helfen. Der Zusammenhalt wächst unter anderem auch dadurch, dass ein Ehrenamtler seinen Platz nicht einfach aufgeben kann, sondern er muss einen geeigneten Nachfolger finden. Das heißt: Bei uns fängt man nicht einfach so an und genau das stärkt den Zusammenhalt. Das Team, das mithilft, funktioniert wie ein Uhrwerk und das motiviert mich jedes Jahr wieder“, erzählt Andreas Kriehn. Er selbst ist kein Wassersportler, aber durch seine Frau Kerstin, die ehemalige Olympiateilnehmerin in den Jahre 1976 und 1980 im Wasserspringen, zum Wasserspringer Club Rostock e.V. gekommen. Begonnen hat er als Mannschaftsbetreuer. Seit 2002 (47. Springertage) organisiert er unter anderem auch die Springertage in Rostock. „Ich sehe die kommenden Wettkämpfe auch als Chance für unseren Nachwuchs. Die Kinder sehen den Profis fasziniert zu und haben dann vielleicht den Traum selbst zu ihnen zu gehören. Mit unserer tollen Halle gibt es auch die Möglichkeit wirklich an die Spitze zu kommen.“ Die Neptun-Schwimmhalle wurde zu den Europameisterschaften 2013 und 2015 im Wasserspringen saniert, wodurch sehr gute Trainigs- und Wettkampfbedingungen herrschen. Ideale Voraussetzungen für die aktuell 150 Nachwuchssportler, die somit in Rostock an einem Bundesstützpunkt im Turm- und Kunstspringen trainieren dürfen.

Die Sportler: Falk Hoffmann gewinnt 13 Mal

Der Olympiasieger Falk Hoffmann gehörte bereits zu den Profis und trainiert heute vertretungsweise die Springer in Rostock. Der gebürtige Chemnitzer kam 2013 in unsere Hansestadt, um am Olympiastützpunkt für vier Jahre als Trainer tätig zu werden. „ Ich war damals lange nicht mehr professionell unterwegs gewesen und so war es eine schöne Herausforderung. Ich verbinde eine Menge mit Rostock. Ich habe viele Male an den Springertagen teilgenommen und sie auch 13 Mal gewonnen.“ Nachdem Hoffmann 2017 sein Amt niederlegte und in Rente ging, blieb er an der Ostsee und unterstützt bis heute die Wasserspringer als Mitglied des Springrats MV und Vorstand der internationalen Springertage. „Bevor ich nach Rostock gekommen bin, habe ich freiberuflich für Sportfirmen gearbeitet und Vereine ausgerüstet. Die Kontakte von damals nutze ich heute für die Springertage und kümmere mich unter anderem um die Ausrüstung.“ Besonders wichtig ist dem ehemaligen Leistungssportler, der 1980 Gold in Atlanta holte, das Treffen der Ehemaligen. „Am Sonnabend findet im IntercityHotel Rostock zum zweiten Mal ein Treffen für ehemalige Springer und Trainer statt. Zum 60. Geburtstag waren bei dem ersten Zusammenkommen 180 Personen anwesend. Zu dem Ehemaligen-Treffen erwarten wir natürlich auch die Sportler diesen Jahres und unseren neuen Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen.“

Neben dem Event im Hotel wird es noch ein spannendes Rahmenprogramm während der Wettkämpfe geben. So werden auch in diesem Jahr die „Lustigen Springer“ mit doppeltem Salto und einfachem Fahrrad in Wasser springen. Was für das ungeschulte Auge einfach aussieht, erfordert jedoch hohe Konzentration und ist mit genauso viel Applaus zu belohnen wie ein viereinhalb Salto vom 10 Meter Turm. „ Ich freue mich jedes Jahr auf den Springertag. Die Sportler haben die Chance gegen Weltmeister anzutreten und ihren Heimvorteil zu nutzen. Heutzutage haben die Springer zudem noch viel mehr Möglichkeiten, ihr Können zu zeigen. Als ich noch aktiv war, durften wir nur Sprünge in Wettkämpfen zeigen, die in einer Tabelle standen. Ich erinnere mich an die Springertage 1976, da hat Philip Boggs (Olympiagold 1976) in der Pause einen viereinhalb Salto vorwärts vom 10 Meter Turm gemacht. Heute kein Problem, aber damals einfach undenkbar. Oder Carlos Girón (Olympiasilber 1980), ein mexikanischer Turmspringer, der vom 3 Meter Turm einen eineinhalb Salto vorwärts mit vier Schrauben machte. Das wäre damals in einen Wettkampf ohne vorherige Abstimmung nicht möglich gewesen“, erinnert sich Falk Hoffmann. Zeiten ändern sich, aber der Internationale Springertag bleibt erhalten und das als eine der langjährigsten Veranstaltungen im Wasserspringen.

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