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Ostern im Zeichen elektronischer Musik

Das “Kommt Zusammen Festival” fand vom 17. bis 21. April in Rostock statt. Unsere Redakteurin Antje Benda und Videoredakteur Dirk Kurrat (www.dasvideomobil.de) waren dabei und haben sich umgeschaut.

Beitrag vom 15. April 2014 – http://www.alles-mv.de

In den meisten Fällen gibt es zu Ostern bunte Eier, einen Schokoladenhasen und fulminantes Essen zur Mittagszeit. Hat man dann noch richtig Glück, wird einem der Tag mit einem warmen Osterfeuer versüßt. In Rostock wird das etwas erweitert! Zu den Osterfeiertagen wird zum mittlerweile zehnten Mal das “Kommt Zusammen Festival” gefeiert.

– Von Antje Benda –

Daniel Nitsch ist eines der Gesichter, welches hinter dem lokalen Musik- und Kultur-Festival steht. Aufgabenmäßig verteilt ist ihm die Rolle des Pressesprechers zugefallen und somit ist er meist auch direkter Knotenpunkt für die Außenwelt. Begonnen hat das ganze vor zehn Jahren im Rostocker Studentenkeller, um nur eine Party zu veranstalten und Freunde musikalisch zusammen zu bringen. Diese Party kam letztlich so gut an, dass sie sogar wegen Überfüllung abgebrochen werden musste. Der Weg führte sie dann weiter über die Stubnitz, hin zur Kooperation mit dem Mau Club, immer mit dem Gedanken zur „offenen Feier“, so erzählt er. Letztlich entstand daraus irgendwann das „Kommt Zusammen Festival“. Nostalgie macht sich ein bisschen breit, während Daniel weiter sinniert. „Zehn Jahre `Kommt Zusammen` sind auch eine lange Geschichte“, erzählt er amüsiert, während wir gemeinsam in einer kleinen Aufnahmekabine sitzen, um das Interview mitzuschneiden.

Daniel Nitsch – Pressegesicht des "Kommt Zusammen Festivals" - Foto: Antje Benda

Mittlerweile hat sich das Festival zu einer fünftägigen Veranstaltung gemausert und bietet weitaus mehr an als nur Musik in den Klubs der Stadt. „Wir träumen sogar davon, irgendwann mal eine Musikwoche zu veranstalten“, gibt er prophetisch wieder und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. “Wir wollten Kultur einbauen und 2011 haben wir uns dann auch getraut”, so Daniel, der mir von den unzähligen Workshops auf dem Festival erzählt. Diese werden Karfreitag und Samstag tagsüber in unterschiedlichen kulturellen Werkstätten stattfinden. “Sie teilen sich in vier Themenblöcke: Audio, Kunst, Gesellschaft und alternativer Sport.” (welche man übrigens über folgenden Link erreicht http://www.kommtzusammen-festival.de/19-04/ )

Begleitend zu unserer Unterhaltung blättere ich in der Pressemitteilung und finde einen Vermerk zur Lesung von MC Rene, einem deutsch-marokkanischen Rapper und Stand-up-Comedian. Dieser wird am Freitag eine Lesung im Li.Wu (Frieda 23) aus seinem Buch “MC Rene. Alles auf eine Karte: Wir sehen uns im Zug” bestreiten. Auf die Nachfrage zur Auswahl des Braunschweigers, berichtet mir Daniel freudig, dass er ein Held ihrer Jugend war. Seine Augen legen sich in Fältchen, während er erzählt und schildert, wie sie damals seine musikalische Karriere in den 90ern und Anfang 2000 verfolgten. “Er war irgendwann verschwunden und tauchte vor einiger Zeit mit seinem Projekt mit der Bahncard 100 quer durch Deutschland („Alles auf eine Karte“, Anm. d. Red.) wieder auf, das wurde dann auch vom Fernsehen begleitet. Wir haben ihn dann einfach gefragt, ob er kommen würde und das Buch zur Zugfahrt vorlesen würde und er hat sofort ja gesagt.” MC Rene ist allerdings nicht das alleinige Highlight. Es wird ebenfalls wieder den Mitternachtsflohmarkt am Gründonnerstag im Peter Weiß Haus geben. Man könnte fast sagen, dass das „Kommt Zusammen“ eine Brücke zwischen elektronischer Musik und kulturellem Inhalt schlägt und dies nicht zuletzt durch das Mitternachtskino im Li.wu (Frieda 23), welches drei musikalische Filme zeigt (The Micronaut, We Are Modeselektor und Kvadrat) und so den Festivalteilnehmern die Welt der elektronischen Musik ein wenig visualisiert. Wer jetzt allerdings denkt, mehr geht nicht, sollte sich das Programm der Veranstaltung genau anschauen und wird unter Garantie noch die eine oder andere Perle für sich entdecken. Alle Informationen gibt es hier. Kurz bevor wir jedoch unsere Unterhaltung beenden, gibt Daniel noch einen drauf und lässt stolz verlauten, dass sie jetzt auch nach Hamburg expandieren werden. In der Nacht zum 1. Mai werden sie in St. Pauli im Medienbunker das erste kleine „Kommt Zusammen“ im Außeneinsatz veranstalten. Was sie dort erwartet? Sie sind selbst gespannt.

Kommt Zusammen Banner_620

Anmerkung der Autorin:
Während ich diesen Artikel schrieb, hörte ich Kris Wadsworth LIVE@SZIGET FESTIVAL (VÖ: 08/2013)

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Zum Sternenzelt bei Sanddorn und Eisstockschießen

– Von Antje Benda –

Postkarte-Sternenzelt

Es ist die Zeit der Wunder, der warmen Getränke und kalten Füße. Kinder werden sich die Nasen an den Schaufenstern platt drücken und lange Briefe an den Weihnachtsmann verfassen. Zitternde Finger und rote Gesichter werden sich durch die Innenstadt Rostocks schieben. Sie werden den Duft von Mutzen riechen, das Gezeter von gestressten Kindern hören und die tausend blinkenden Lichter sehen, welche die Stadt taghell erleuchten lassen. Doch was ist, wenn man das Schubsen und Drängeln leid ist und trotzdem das Gefühl von warmen Punsch und süßen Leckereien im Kreise seiner Freunde nicht missen möchte? Dann sollte man sich eine Mütze auf den Kopf setzen, den Blick gen Himmel richten und den Sternen folgen. Diese werden zu einem Zelt führen, welches sich auch in diesem Jahr in der Langen Straße 1 auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt platziert hat. Wer jetzt an eine weitere fulminante Fress- und Saufbude denkt, den werde ich nun eines Besseren belehren. Samuel Müller, Sascha Hofmann und Inga Knospe, die Köpfe hinter dem Sternenzelt, haben es sich zur Aufgaben gemacht, einen Ort zu schaffen, der Unterhaltung und Verpflegung in ausgewogenem Maße anbietet.

Die Menschen tummeln sich unterm Sternenzelt. Quelle: Sternenzelt

In diesem Jahr kooperieren sie mit einem Riesen, welcher direkt neben ihrem Zelt sein Bein in den winterlichen Boden gestampft hat. Der City Sky Liner bietet den Rostockern die Möglichkeit ihre Stadt aus 81 Metern Höhe in einer 360 Grad Panoramaansicht zu bewundern. Beim leisen Hinauffahren der Aussichtsplattform wird die Musik aus dem Sternenzelt zu vernehmen sein. Beide Unternehmen gehören zwar nicht zusammen, werden aber miteinander arbeiten, so wie es gute Nachbarn tun. Nach der beeindruckenden Aussicht kann man sich ein gemütliches Plätzchen im Sternenzelt suchen und den Saft aus selbst geerntetem Sanddorn aus Ahrenshoop genießen oder traditionell einen Glühwein trinken. Die Produktpalette ist nicht nur anders, als die von anderen Weihnachtsgeschäften, sie ist auch gesund und vorrangig regional geprägt.

Jeder der im vergangenen Jahr das Glück hatte, den Ort zu besuchen, dem wird aufgefallen sein, dass die drei Organisatoren großen Wert auf Außenaktivitäten legen. Das heißt nicht, dass sie ihr Geld in einen Kuscheltierautomaten oder in Dosenwerfen investiert haben, sondern in sportliche Ganzkörperertüchtigung. Da alle drei aus dem Wassersportbereich kommen, war ihnen dies besonders wichtig. So findet sich direkt vor dem Zelt eine kleine Anlage zum Eisstockschießen, die Möglichkeit gemeinsam Winterski zu fahren oder verrückter Weise einen menschengerechten „XXL Looping Louie“ auszuprobieren. Zu letzterem sind die Tests schon abgeschlossen und man darf sich in kindlicher Manier auf einen kleinen Flugspaß ohne Opfer freuen.

Weihnachtsfeier mit Eisstockschießen. Quelle: Sternenzelt

Freuen sollte man sich auch in diesem Jahr auf ein ausgewogenes Unterhaltungsprogramm. Jeden Mittwoch wird das Sternenzelt zum Austragungsort der russischen Märchen, welche an die Zeltwand geworfen werden. Zudem verwandelt sich die beheizte Zeltoase an mehreren Tagen in eine kleine Konzertbühne. Künstler wie Les Bummms Boys, Camou und Burnin’ Blankets werden an den Freitagen auftreten und daneben wird es jeden Samstag ein Überraschungskonzert geben, welches zusammen mit Radio LOHRO aus Rostock veranstaltet wird. Man sollte also Augen und Ohren offen halten. Doch wer jetzt denkt, dass diese Auswahl an Möglichkeiten den Dreien zur Bedürfnisbefriedigung reicht, der sei enttäuscht. Ein großer Punkt hinter ihrem Konzept ist es, nicht nur dem Gedrängel der Massen zu entgehen und sich einen Ort der Freude zu schaffen, sondern auch die Gesellschaft zu sensibilisieren. Wie schon im vergangenen Jahr, haben sie ein bestimmtes Thema in ihren Workshops für Schulklassen verarbeitet. Besonders Sascha und Samuel lag es im vergangenen Jahr am Herzen das Thema „Meeresmüll“ zu kommunizieren. Dieses Jahr liegt der Fokus auf „Fairtrade“. Man könnte meinen es liegt an der Tatsache, dass sich Rostock seit 2012 als „Fairtrade Stadt“ bezeichnen darf, vielmehr liegt es jedoch an der mangelnden Transparenz. So wollen sie mit den Themen „Fairtrade“ und „Recycling“ vor allem die Kinder informieren und zeigen, was eigentlich genau dahinter steckt. Unterstützt werden sie von Dr. Mossbauer von Oecolog e.V. Er veranstaltet einen Workshop zum Thema „Recycelte Weihnachten“ und möchte die ökologischen Konsequenzen von Abfällen aufzeigen. Das Ökohaus schickt den Kakao ins Rennen und zeigt an ihm exemplarisch, wie an „Weihnachten fair gehandelt“ wird. Daneben wird es für die Schulklassen noch Sportworkshops geben, welche von den Organisatoren des Sternenzelts selbst geführt werden. Zusammengefasst: Sport, Musik, Bildung und leckere Verpflegung, alles vereint unter einem Dach beziehungsweise Zelt. Im Auge eines jeden Betrachters wohl mehr als ausreichend, aber anscheinend noch nicht genug.

Samuel, Sascha und Inga (von links) oder die drei Weisen vom Sternenzelt. Foto: Team Sternenzelt

In der Zeit vom 24. November bis 22. Dezember findet in regelmäßigen Abständen ein Biertasting in Kooperation mit der Brauerei Störtebeker statt, wozu Inga die hauptberuflich in der Veranstaltungsagentur ESEC GmbH arbeitet, extra nach Stralsund in die Brauerei gefahren ist und einen Workshop zum Biersommelier absolvierte. Nun kann sie Samuel und Sascha zu delikaten Experimenten führen. Experimentierfreudig waren die drei Kreativen schon vorher. Bereits im August konnte man via Facebook verfolgen, wie sie an ihren einzelnen Attraktionen bauten, den Sanddorn ernteten oder einen Apfel in der Uckermark pflückten. Dieses Jahr werkelten sie zusätzlich an der sportlichen Disziplin des Swingolfens. Diese erinnert stark an Minigolf, aber arbeitet mit massageähnlichen Bällen. Umrandet wird die Sportart mit einer von Sascha gebauten Kulisse, welche die Rostocker Fassaden abbildet. Der Architekturstudent nahm sich die Hansestadt zum Vorbild, um das Heimische ins Zelt zu holen. Um die daraus resultierenden strahlenden Augen am Glühen zu halten, haben sie das erste Mal ihren eigenen Weihnachtskalender ins Leben gerufen. Man muss einfach ins Sternenzelt gehen, einen Glühwein oder Ähnliches trinken und sich einen Stempel auf seiner Stempelkarte geben lassen. Was es zu gewinnen gibt, erfährt man für den jeweiligen Tag direkt auf ihrer Homepage oder man fragt am Abend bei ihnen nach. Dann nur noch die Karte im Sternenzelt abgeben (egal ob ein Stempel oder voll) und darauf warten, dass am Ende des Abends sein Name fällt. Aber keine Bange, wenn man es nicht bis zum Ende schafft, braucht man nur auf Facebook schauen und erfährt ganz schnell, ob man zu den glücklichen Gewinnern gehört.

Ein weiteres Highlight im Geben wird es zudem im Benefizschießen geben. Das Sternenzelt möchte zusammen mit ansässigen Unternehmen und Künstlern Gelder einspielen, welche Baf e.V. zu Gute kommen sollen. Bereits im vergangenen Jahr wurden 800 Euro eingesammelt. Für dieses Jahr haben sich bereits die RSAG, Future TV, Les Bummes Boys, TV Rostock und Radio LOHRO angemeldet. Mit der WIRO wird zudem der Titelverteidiger des letzten Jahres mit an die Stöcke gehen. Übrigens: das Finale und wohl auch Ende fürs Sternenzelt in diesem Jahr, findet am 21. Dezember statt mit „Alles kann raus nichts muss weg – Sternenzeltflohmarkt“. Samuel, Sascha und Inga werden an diesem Tag einen Teil ihres Inventars verkaufen, somit Platz schaffen und damit den Grundstein für das nächste Jahr legen. Sie wollen neue Ideen realisieren und ihren Gästen nie das Gleiche präsentieren.

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Schritt für Schritt ins Schokoglück

– Von Antje Benda –

Ullrich Deprie im Rostocker Stammhaus seiner Schokoladerie. Foto: Antje Benda

Eine weiche und warme Flüssigkeit läuft in meinen Hals. Ich schmecke die unendlichen Weiten von Sonne. In meinem Kopf kann ich das unglaubliche Grün unberührter Wälder sehen und die Säcke voller Nüsse, wie sie nur darauf warten, in das warme und weiche Nass der Schokolade zu tauchen. Während ich ein weiteres Stück der Haselnussschokolade auf meiner Zunge zerschmelzen lasse, genieße ich nur den Moment. Mir ist nicht klar, welche Arbeit hinter diesem einen zarten und wohlschmeckenden Stück verborgen sind, welche Auflagen und Kosten. Ullrich Deprie kannt die Ausmaße 2005 vielleicht auch noch nicht, als er seine „Schokoladerie de Prie“ am Rostocker Stadthafen eröffnete. Dort entwickelt er Pralinen unterschiedlichsten Geschmacks, Hohlkörper für dickbäuchige Weihnachtsmänner oder dreistöckige Hochzeitstorten für einen der schönsten Tage im Leben eines verliebten Paares. Schritt für Schritt ist er seinen Weg, unter anderem durch Westeuropa, gegangen, um sein kleines, ausgezeichnetes Unternehmen nach vorne zu bringen. 1978, als die Sachsen noch Seefahrer waren, kam er nach Rostock und als Quereinsteiger letztlich zur Schokolade. Hinter seinem Unternehmen steht das Konzept des traditionellen Handwerks eines Chocalatier verbunden mit modernen Rohstoffen und Produkten sowie einem kleinen Großhandelsanteil.

Doch was ist, wenn die Bürokratie einem die Ketten um Hals und Arme hängt und daran hindert, kleine Schokoladenmomente zu verschenken? Blicken wir auf den Augenblick der Komposition einer Praline. Sie findet im Haus Deprie ganz ohne fremdes Zutun statt. Ein Trüffel wird gemischt mit Kräutern und Nüssen in genau dem richtigen Verhältnis. Ein Umstand, der nur mit Fachwissen über sein Handwerk und seine Gerätschaften möglich ist. Doch was wäre, wenn die Nüsse plötzlich dreimal so teuer wären als das Jahr zuvor? Geschehen in diesem Jahr! In der Türkei ist die Haselnussernte fast komplett ausgefallen und es konnten nur fünf Prozent der eigentlichen Masse geerntet werden. Im Umkehrschluss erhöhte sich der Preis für ein Kilo Haselnüsse von 5,10 Euro auf 15,80 Euro. Ullrich Deprie muss sich also fragen, wie er seine Geschäfte am Laufen halten will. Mittlerweile besitzt er Häuser in Warnemünde, Stralsund, Güstrow und Schwerin mit Mitarbeitern und Kunden, welche das besondere Stück Schokolade suchen. Er hat seine Produktpalette um Schokoladenkosmetik, ausgefallene Besonderheiten wie Salami-Haselnussnougatwurst und Torten erweitert, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Es zeigt sich also, je intensiver man in die Schokolade eintaucht, umso schwieriger wird es, das Besondere einzufangen. Neben den steigenden Rohstoffpreisen legt er ebenfalls Wert auf Fairtrade und biozertifizierte Ware, würde aber seine Produkte so nicht kennzeichnen lassen. Viel zu hoch wären die Folgekosten, welche er auf seine Schokolade umschlagen müsste. Dies wäre letztlich das Ende für sein Geschäft.

Bei Schokoladenseminaren können Willige lernen, wie man Pralinen selber macht. Foto: Antje Benda

Solange der Spaß an der Schokolade überwiegt, wird er seinen Weg Schritt für Schritt weiter gehen. Damit auch jeder versteht, warum ihm Schokolade so eine Freude macht, bietet die Schokoladerie de Prie schon seit 2005 Schokoladenseminare an. Dort heißt es: Schürze umbinden, fünf Minuten Einführung und dann ans Arbeiten. Schokolade wird eingeschmolzen, Pralinen gegossen oder in Schokolade geschrieben, alles mit Spaß im Hintergrund und ohne große Geräte. So kann man auch zu Hause seine eigenen Trüffel zaubern. Im Laden können die Kunden bodenständige Trüffel, Seifenstückchen mit Schokolade zum Baden oder einen personalisierten Weihnachtskalender für Rostock erstehen. Vielleicht alles etwas teurer als im Supermarkt, da Kakaobutter börsennotiert ist, aber im Gegensatz zum Discounterschokoweihnachtsmann haben seine Jungs den Kakao nicht nur gesehen, sondern sind auch in ihm geschwommen und haben ihn praktisch inhaliert.

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Ein Karikaturist und seine unförmigen Werke

Ivan Prado lebt seit mittlerweile 15 Jahren in Rostock. Sein Weg hat ihn damals aus Peru – ohne Sprach-, Landes- und Mentalitätskenntnisse – zu seinem neuem Lebensmittelpunkt geführt. Heute ist Rostock seine Heimat, doch Karikaturen zeichnet er nach wie vor für die Welt.

– Von Antje Benda –

Wenn man durch die Straßen von Rostock läuft, sieht man das ein oder andere kreativ gestaltete Haus. Sei es das Molotov in der Waldemarstraße oder das Cafe Liebreiz am Doberaner Platz. Die Häuser weisen ihre ganz eigene Note auf und zeigen die individuelle Gestaltungsfreiheit eines Künstlers. Gegenüber vom Volkstheater steht in der Doberaner Straße ein Gebäude mit einer gelben Fassade, verziert mit türkisfarbenen Wellen an der Wurzel des Hauses. Der Künstler hinter der Wand oder besser der Malerei ist Ivan Prado.

Ivan Prado - Foto: Antje Benda

Ein Karikaturist aus Peru, der die Umkleidung noch mit Pinsel, Schweiß und Ausdauer bemalte – statt wie heute manch anderer mit Sprayfarben, schnell und mit weniger Aufwand. Welche Art der Gestaltung die Bessere und Aussagekräftigere ist, sei jedem frei denkenden Menschen selbst überlassen. Er war damals jung, hatte falsch kalkuliert und würde es heute anders machen. Am Ende hat es für ihn jedoch denselben Effekt: ein Bild, das Emotionen in den Menschen hervorrufen soll und sie hoffentlich erfreuen wird. Damals malte er viel in privaten Häusern und zeichnete live auf Messen, Jubiläums- und Firmenfeiern. Ivan entschied sich mit den Jahren zwar nicht gegen den Pinsel, aber für einen neuen und somit weiteren Kanal seiner Kreativität. Die Wandmalerei war nie seine Hauptaufgabe, sondern – dass wird jeder schnell merken – die Karikatur. Ob in Öl, Acryl oder Pastell, ob auf Leinwand oder auf dem Computer: Die Kreativität eines Ivan Prados fand, findet und wird wohl auch nie ein Ende finden.

Prados Motive sind meist Personen des öffentlichen Lebens oder historische Charaktere wie John Lennon. - Foto: Antje Benda

Bereits im zarten Alter von neun Jahren hatte der Künstler Menschen und Tiere in anderen Proportionen, als den uns bekannten gezeichnet. Nicht weil seine Wahrnehmung getrübt war, sondern weil er die daraus resultierende Aufmerksamkeit seiner Freunde und Mitschüler wecken konnte und wohl auch wollte. Obwohl er ein Studium der Biologie bestritt, sollte er letztlich durch sein inneres Bestreben seinen Platz bei der Zeitung „Arequipa al dia“ als Karikaturist für politische Themen finden. Da die Zeitung die politische Ausrichtung der Stadt nicht unterstützte, fehlten bald die Gelder für Honorare der Angestellten und Ivan musste sich nach Drohung und Verfolgung für einen neuen Lebensweg entscheiden. Er wanderte nach Rostock aus, wo bereits sein Bruder lebte, und begann praktisch wieder bei null. Schnell musste er entdecken, dass es nicht einfach war in Rostock Fuß zu fassen. Ein neues Land, eine neue Sprache und eine neue Mentalität. Ein hartes Pflaster, auf welches er sich in den 90er Jahren begab, um einen neuen Weg zu finden.

Eine Karikatur von Prado zeigt Rembrandt. Foto: Antje Benda

Mit Live-Malerei auf der Promenade von Warnemünde verdiente er sein erstes Geld in Deutschland und konnte zu Zeiten der Hansesail auch mal mit 1.700 Euro in vier Tagen nach Hause gehen. Der zeitliche Druck und die Fließbandarbeit waren ihm jedoch eine gute Schule und gaben ihm mehr als jede Ausbildung. Heute besitzt er sein eigenes kleines Atelier in Marienehe. Dort zeichnet er zwar nur noch selten an seinen Karikaturen, aber wenn, dann mit Herz und Leidenschaft. Seine Motive sind meist Personen des öffentlichen Lebens oder historische Charaktere, welchen er immer in gewisser Form zugeneigt ist. Der Weg zu dieser Gelassenheit war weniger als einfach, nicht zuletzt aufgrund der nordischen ‚Muffligkeit‘, die er nur schwer zu knacken wusste. Ivan beschreibt seine Beziehung zu Rostock als eine Art „Hass-Liebe“. Er kann nicht mehr ohne uns, auch wenn man den Rostocker Muschelschuppser nur schwer lieben darf.

Durch eine Fortbildung im Jahre 2002 am Institut für neue Medien lernte er, wie man am Computer zeichnet und erschloss so ein neues Feld für sich, das ihm heute sein Leben finanziert. Er braucht meist nicht mehr als etwas Strom und das entsprechende technische Equipment, um eine Karikatur zu erstellen. Nun malt er eine Nase übermäßig groß oder eine Frau übermäßig dick und mit voluminösen Brüsten einfach mit einem elektronischen Zeichengerät. Stark diskutieren könnte man an dieser Stelle, inwieweit dann noch ein Kunstdruck von ihm als Original zu bezeichnen ist und welchen Wert dieser besitzt. Eine Gretchenfrage, welche ich den Kunstkritikern dieser Welt überlassen möchte. Letztlich sprechen die Auszeichnungen für sich. 2013 bekam Ivan Prado den ersten Preis im Bereich Karikatur auf dem „Cartoon World Festival“ in Porto (Portugal) und dieses Jahr den dritten Platz auf dem „Dieter Burkamp World Award for Caricature“. Wer Glück hat, besitzt noch einen „Ivan Prado“ aus seinen Warnemünder Zeiten und wer noch mehr Glück hat, trifft den Cartoon World Festivaletten Peruaner mal irgendwo in Rostock. Schnattert etwas mit ihm und lässt sich dann zeichnen.

Auch interessant: Ein Porträt von Frank Schlößer und Kai Küken über Ivan Prado (produziert für MV1)

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Kultur und Wirtschaft reichen sich die Hand

Vor einem Jahr feierte in Rostock das „regio:polis – Kunst- und Kulturfestival der Regiopolregion“ seine Premiere. Der Erfolg unterstützte die zweite Auflage und führte sogar zur Kooperation mit Dänemark.

– Von Antje Benda –

Quelle: www.Regio-polis.de

Regio:polis möchte der Kunst und Kultur in Rostock und ihrer Umgebung ein Gesicht geben. Eine große Anzahl Kulturschaffender sind diesem Aufruf gefolgt und werden vom 4. bis 12. Oktober in Kooperation mit lokalen Unternehmen der Stadt ein erfrischendes Gesicht geben. Morgen soll der „Running Vision Day“ nicht nur die Auftaktveranstaltung sein, sondern auch Lust auf mehr machen.

Die Idee hinter „regio:polis“ beschreibt Teresa Trabert als Projekt, welches Kunst und Kultur sichtbarer machen will. Dafür haben die jungen kreativen Köpfe hinter dem Vorhaben ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Antreffen wird man die Köpfe und ihre Ideen überall in der Stadt. Abwechslungsreiche Veranstaltungen über Musiktheater hin zu Konzerten mit Felix Meyer im JAZ, Ausstellungen und Vorträgen zur Fotografie. Um Aktivisten für dieses Projekt zu finden, wurde unter anderem im März ein Aufruf über den Kreativsaison e.V. gestartet. Es wurden Menschen gesucht, die Lust haben, sich an dem Festival zu beteiligen.

So kam auch Mathias Marx zu dem Projekt. Er hat sich mit einem Freund zusammengetan und gemeinsam eine alternative Stadtführung ins Leben gerufen. Sie werden am 4. Oktober mit ihrem Publikum durch die KTV ziehen und Street Art mit der Geschichte Rostocks verbinden. Betrachtet werden spezielle historische Felder, welche in den normalen Geschichtsbüchern nicht verzeichnet sind. Aufgrund des allmählichen Versterbens der Zeitzeugen drohen diese auch in Vergessenheit zu geraten. Marx will die einzelnen Etappenziele miteinander verbinden. Start ist am Samstag um 14 Uhr am Kröpeliner Tor. Enden wird der Rundgang in der neuen Culttourhalle “Pi 13″ beim Auftritt von „Status Wo?“.

Thomas-Michael Schmidt präsentiert Henrich Hünicke nicht nur im Fachhandel im Schutower Ring, sondern auch nach außen beim regio:polis Festival. Foto: Antje Benda

Neben dem Startpunkt für den Stadtrundgang findet sich am Kröpeliner Tor auch der Verbindungspunkt des „Running Vision Day“ und eine Livepainting Session unterstützt vom Unternehmen Heinrich Hünicke. Sie stellen Künstlerin „Edelding“ zwei Leinwände, Farben und Pinsel zur Verfügung und präsentieren sich als Anbieter für Künstlerbedarf vor Ort. Seit 1995 befindet sich der Unternehmenssitz im Schutower Ring in Rostock. Für Regio:polis ist die Firma Hünicke in die Innenstadt gekommen, um Wirtschaft und Kultur zueinander zu führen. Eine ähnliche Aktion veranstalteten sie bereits im Frühjahr im Rostocker KTC mit Aquarellmaler Frank Köbsch, der auch jetzt beim regio:polis von dem Unternehmen ausgestattet wird. Zudem engagiert sich das Unternehmen im Sponsoring mit der Kunsthalle.

Viele weitere Punkte werden beim regio:polis Festival zu entdecken sein. Es ist dabei jedem selbst überlassen, ob man alle mitnimmt oder nur einige spezielle für sich herauspickt. Ankerpunkt ist die Verknüpfung mit der lokalen Wirtschaft sowie die Vernetzung der kulturellen Vereine miteinander. Das Beispiel Hünicke zeigt, dass die Veranstalter dazu angeregt haben, nicht in den eigenen Räumen ihre Events auszurichten, sondern nach draußen zu gehen und auf ganz neue Orte zu stoßen.

Ebenfalls geschehen beim Theater „Fabula Luna“ aus Siemitz. Lieder und Geschichten außerhalb des Horizonts werden diesmal im Klinikum der Südstadt erzählt. Ein Ort, welcher zunächst befremdlich für das darstellende Spiel wirkt, aber neue und interessante Möglichkeiten eröffnet.

Das komplette Festival findet in Kooperation mit der dänischen Nachbargemeinde Goldburgsund statt und wird so den Austausch mit Dänemark antreiben. Die Vielzahl und Spannbreite der Aktionen lässt sich natürlich im Internet unter www.regio-polis.de abrufen oder man geht morgen direkt zur Visionszentrale am Kröpeliner Tor. Die Organisatoren werden dort garantiert jede Frage beantworten.

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Restauranttester Steffen Henssler in Rostock

Wie oft hat man sich wohl Kochshows im Fernsehen angeschaut. Einmal, fünfmal oder gar hundertmal? Letztlich wissen alle worum es geht. Ein sehr gut ausgebildeter Koch geht in schlecht laufende Restaurants und erklärt dem Inhaber die Welt. So auch geschehen bei Lutz Köbsch vom Cafe Cocoo und dem RTL Fernsehkoch Steffen Henssler.

– Von Antje Benda –

Straßenlärm, Baustellen und laute Nachbarn. Wie oft hat man das Problem, dass man keine Ruhe findet. So ging es auch Hauke Christoph von der Wellenweg Werbeagentur. Der Rostocker befindet sich aktuell im zweiten Jahr seiner Selbständigkeit mit seinem Companion Sebastian Schmidt. Anfänglich war Hauke von der Arbeit am heimischen PC, welche die Selbständigkeit mitbrachte, nicht so begeistert. Der Kundenkontakt und eine alltägliche Routine waren und sind ihm wichtig. Aus diesem Grund sind sie auf die Suche nach einem Ort gegangen, an dem sie ihre Geschäfte abschließen und mal einen Kaffee nebenbei ohne große Störung trinken können. Gelandet sind sie im Cafe Cocoo von Lutz Köbsch in der Rostocker Fritz-Reuter-Straße. Was für Hauke und Sebastian optimal ist, kann dem Gastronomen natürlich das unternehmerische Genick brechen. Kaum Gäste und ein Rückgang der Umsätze, vor allem im Speisebereich, machten Lutz schwer zu schaffen.

Hauke Christoph entwarf zusammen mit seinem Partner das neue Plakat für`s Cafe Cocoo. Foto: Antje Benda

Der aufgeschlossene Unternehmer bekam schnell mit, welches Feld die Wellenweg Werbeagentur bearbeitete und fragte nach ihrer Hilfe. Da Hauke Lutz schon seit mehreren Jahren über Freunde kannte, war es keine große Frage. Für das Cocoo ist Lutz aber schon vorher aktiv geworden. Ein finanzierter Umbau und er holte sich die Hilfe des Restauranttesters Steffen Henssler. Bereits vor zwei Jahren ging seine Bewerbung als Hilferuf an diverse Kochsendungen raus. Allerdings kassierte er nur Absagen oder bekam nicht mal eine Antwort. Die Küchenprofis von RTL2 fanden seine Küche zu klein und den Küchenchefs von VOX war die Karte nicht groß genug. Frank Rosin habe ihn hingehalten, bei Herrn Henssler hat er dann nachgehackt. Der Fernsehkoch hat auf RTL Christian Rach als Restauranttester abgelöst und genau da sah Lutz seine Chance.

Auf seine Email wurde zunächst nicht reagiert, aber ein Anruf brachte die Aktion ins Rollen. Es dauerte nur einen Tag und RTL rief zurück. Bald stand Henssler mit einem 12-köpfigen Team in Lutz` kleinem Laden. Es war ziemlich aufregend für ihn, wie ihm die Kamera direkt ins Gesicht gehalten wurde. Bevor der Fernsehkoch jedoch ins Cafe Cocoo kam, waren zwei junge Damen zu Besuch. Sie schauten sich die Konkurrenz in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt an und nahmen auch Lutz genau unter die Lupe. Wichtig bei jedem Fernsehformat ist es natürlich, Emotionen einzufangen. Das Fernsehen lebt mittlerweile von Überreaktionen und der bloßen Darstellung von Übertreibungen. Lutz vermutete selbst, dass sie bei ihm eine starke Sensibilität annahmen.

Was er beim Vortragen seines Lebenslaufes jedoch aussparte, war seine Vergangenheit zu DDR-Zeiten. Dies führte letztlich auch zu einem Streitgespräch mit Steffen Henssler. Nach seiner Aussage wohl eher aus Unwissenheit, als aus Böswilligkeit. Zu Jugendzeiten kam der Inhaber Köbsch in politische Haft und wurde über einen längeren Zeitraum verhört. Dadurch stellt sich manchmal nach seiner eigenen Aussage ein Gesichtsausdruck ein, der fehlinterpretiert werden kann. Auf diesen Ausdruck traf auch der Restauranttester, als er mit Lutz versuchte seinen Laden auf Vordermann zu bringen. „Er hat mich als Lappen bezeichnet und da ging es in meinem Kopf los. Schmeiß ich ihn jetzt raus?“ Lutz wusste natürlich, dass jeder Dreh eine Dramaturgie besitzt und das alles nach Plan gehen muss. Er hat sich daraufhin innerlich zur Ordnung gerufen und alles weiter durchgezogen.

Inhaber Lutz Köbsch freut sich auf den 29. Oktober und den Restauranttester Steffen Henssler. Foto: Antje Benda

Einige Sachen haben sich geändert. Der logistische Ablauf in der Küche wurde optimiert, neue Küchengeräte wurden angeschafft und die Karte überarbeitet. Im Marketingbereich hat es etwas länger gedauert. Die Ideen, die RTL und Henssler ausgearbeitet haben, wurden mit Hilfe der Wellenweg Werbeagentur zum Teil umgesetzt. Hauke und Sebastian haben für das Cafe Cocoo ein Plakat entworfen, welches jetzt an der Ulmenstraße steht und den Umbau der Homepage mit angeregt.

Was die Umwälzung bei Lutz Köbsch im Cafe Cocoo gebracht hat, wird sich noch zeigen. Eines ist aber schon passiert: Nach Aussage des Gastronomen seien bereits die Umsätze etwas angestiegen.

Die Folge des Restauranttesters wird auf RTL am 29. September um 21:15 Uhr ausgestrahlt – und natürlich live im Cafe Cocoo. Im Anschluss läuft ein Portrait zu Lutz Köbsch im Format RTL Extra.