Zum Sternenzelt bei Sanddorn und Eisstockschießen

– Von Antje Benda –

Postkarte-Sternenzelt

Es ist die Zeit der Wunder, der warmen Getränke und kalten Füße. Kinder werden sich die Nasen an den Schaufenstern platt drücken und lange Briefe an den Weihnachtsmann verfassen. Zitternde Finger und rote Gesichter werden sich durch die Innenstadt Rostocks schieben. Sie werden den Duft von Mutzen riechen, das Gezeter von gestressten Kindern hören und die tausend blinkenden Lichter sehen, welche die Stadt taghell erleuchten lassen. Doch was ist, wenn man das Schubsen und Drängeln leid ist und trotzdem das Gefühl von warmen Punsch und süßen Leckereien im Kreise seiner Freunde nicht missen möchte? Dann sollte man sich eine Mütze auf den Kopf setzen, den Blick gen Himmel richten und den Sternen folgen. Diese werden zu einem Zelt führen, welches sich auch in diesem Jahr in der Langen Straße 1 auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt platziert hat. Wer jetzt an eine weitere fulminante Fress- und Saufbude denkt, den werde ich nun eines Besseren belehren. Samuel Müller, Sascha Hofmann und Inga Knospe, die Köpfe hinter dem Sternenzelt, haben es sich zur Aufgaben gemacht, einen Ort zu schaffen, der Unterhaltung und Verpflegung in ausgewogenem Maße anbietet.

Die Menschen tummeln sich unterm Sternenzelt. Quelle: Sternenzelt

In diesem Jahr kooperieren sie mit einem Riesen, welcher direkt neben ihrem Zelt sein Bein in den winterlichen Boden gestampft hat. Der City Sky Liner bietet den Rostockern die Möglichkeit ihre Stadt aus 81 Metern Höhe in einer 360 Grad Panoramaansicht zu bewundern. Beim leisen Hinauffahren der Aussichtsplattform wird die Musik aus dem Sternenzelt zu vernehmen sein. Beide Unternehmen gehören zwar nicht zusammen, werden aber miteinander arbeiten, so wie es gute Nachbarn tun. Nach der beeindruckenden Aussicht kann man sich ein gemütliches Plätzchen im Sternenzelt suchen und den Saft aus selbst geerntetem Sanddorn aus Ahrenshoop genießen oder traditionell einen Glühwein trinken. Die Produktpalette ist nicht nur anders, als die von anderen Weihnachtsgeschäften, sie ist auch gesund und vorrangig regional geprägt.

Jeder der im vergangenen Jahr das Glück hatte, den Ort zu besuchen, dem wird aufgefallen sein, dass die drei Organisatoren großen Wert auf Außenaktivitäten legen. Das heißt nicht, dass sie ihr Geld in einen Kuscheltierautomaten oder in Dosenwerfen investiert haben, sondern in sportliche Ganzkörperertüchtigung. Da alle drei aus dem Wassersportbereich kommen, war ihnen dies besonders wichtig. So findet sich direkt vor dem Zelt eine kleine Anlage zum Eisstockschießen, die Möglichkeit gemeinsam Winterski zu fahren oder verrückter Weise einen menschengerechten „XXL Looping Louie“ auszuprobieren. Zu letzterem sind die Tests schon abgeschlossen und man darf sich in kindlicher Manier auf einen kleinen Flugspaß ohne Opfer freuen.

Weihnachtsfeier mit Eisstockschießen. Quelle: Sternenzelt

Freuen sollte man sich auch in diesem Jahr auf ein ausgewogenes Unterhaltungsprogramm. Jeden Mittwoch wird das Sternenzelt zum Austragungsort der russischen Märchen, welche an die Zeltwand geworfen werden. Zudem verwandelt sich die beheizte Zeltoase an mehreren Tagen in eine kleine Konzertbühne. Künstler wie Les Bummms Boys, Camou und Burnin’ Blankets werden an den Freitagen auftreten und daneben wird es jeden Samstag ein Überraschungskonzert geben, welches zusammen mit Radio LOHRO aus Rostock veranstaltet wird. Man sollte also Augen und Ohren offen halten. Doch wer jetzt denkt, dass diese Auswahl an Möglichkeiten den Dreien zur Bedürfnisbefriedigung reicht, der sei enttäuscht. Ein großer Punkt hinter ihrem Konzept ist es, nicht nur dem Gedrängel der Massen zu entgehen und sich einen Ort der Freude zu schaffen, sondern auch die Gesellschaft zu sensibilisieren. Wie schon im vergangenen Jahr, haben sie ein bestimmtes Thema in ihren Workshops für Schulklassen verarbeitet. Besonders Sascha und Samuel lag es im vergangenen Jahr am Herzen das Thema „Meeresmüll“ zu kommunizieren. Dieses Jahr liegt der Fokus auf „Fairtrade“. Man könnte meinen es liegt an der Tatsache, dass sich Rostock seit 2012 als „Fairtrade Stadt“ bezeichnen darf, vielmehr liegt es jedoch an der mangelnden Transparenz. So wollen sie mit den Themen „Fairtrade“ und „Recycling“ vor allem die Kinder informieren und zeigen, was eigentlich genau dahinter steckt. Unterstützt werden sie von Dr. Mossbauer von Oecolog e.V. Er veranstaltet einen Workshop zum Thema „Recycelte Weihnachten“ und möchte die ökologischen Konsequenzen von Abfällen aufzeigen. Das Ökohaus schickt den Kakao ins Rennen und zeigt an ihm exemplarisch, wie an „Weihnachten fair gehandelt“ wird. Daneben wird es für die Schulklassen noch Sportworkshops geben, welche von den Organisatoren des Sternenzelts selbst geführt werden. Zusammengefasst: Sport, Musik, Bildung und leckere Verpflegung, alles vereint unter einem Dach beziehungsweise Zelt. Im Auge eines jeden Betrachters wohl mehr als ausreichend, aber anscheinend noch nicht genug.

Samuel, Sascha und Inga (von links) oder die drei Weisen vom Sternenzelt. Foto: Team Sternenzelt

In der Zeit vom 24. November bis 22. Dezember findet in regelmäßigen Abständen ein Biertasting in Kooperation mit der Brauerei Störtebeker statt, wozu Inga die hauptberuflich in der Veranstaltungsagentur ESEC GmbH arbeitet, extra nach Stralsund in die Brauerei gefahren ist und einen Workshop zum Biersommelier absolvierte. Nun kann sie Samuel und Sascha zu delikaten Experimenten führen. Experimentierfreudig waren die drei Kreativen schon vorher. Bereits im August konnte man via Facebook verfolgen, wie sie an ihren einzelnen Attraktionen bauten, den Sanddorn ernteten oder einen Apfel in der Uckermark pflückten. Dieses Jahr werkelten sie zusätzlich an der sportlichen Disziplin des Swingolfens. Diese erinnert stark an Minigolf, aber arbeitet mit massageähnlichen Bällen. Umrandet wird die Sportart mit einer von Sascha gebauten Kulisse, welche die Rostocker Fassaden abbildet. Der Architekturstudent nahm sich die Hansestadt zum Vorbild, um das Heimische ins Zelt zu holen. Um die daraus resultierenden strahlenden Augen am Glühen zu halten, haben sie das erste Mal ihren eigenen Weihnachtskalender ins Leben gerufen. Man muss einfach ins Sternenzelt gehen, einen Glühwein oder Ähnliches trinken und sich einen Stempel auf seiner Stempelkarte geben lassen. Was es zu gewinnen gibt, erfährt man für den jeweiligen Tag direkt auf ihrer Homepage oder man fragt am Abend bei ihnen nach. Dann nur noch die Karte im Sternenzelt abgeben (egal ob ein Stempel oder voll) und darauf warten, dass am Ende des Abends sein Name fällt. Aber keine Bange, wenn man es nicht bis zum Ende schafft, braucht man nur auf Facebook schauen und erfährt ganz schnell, ob man zu den glücklichen Gewinnern gehört.

Ein weiteres Highlight im Geben wird es zudem im Benefizschießen geben. Das Sternenzelt möchte zusammen mit ansässigen Unternehmen und Künstlern Gelder einspielen, welche Baf e.V. zu Gute kommen sollen. Bereits im vergangenen Jahr wurden 800 Euro eingesammelt. Für dieses Jahr haben sich bereits die RSAG, Future TV, Les Bummes Boys, TV Rostock und Radio LOHRO angemeldet. Mit der WIRO wird zudem der Titelverteidiger des letzten Jahres mit an die Stöcke gehen. Übrigens: das Finale und wohl auch Ende fürs Sternenzelt in diesem Jahr, findet am 21. Dezember statt mit „Alles kann raus nichts muss weg – Sternenzeltflohmarkt“. Samuel, Sascha und Inga werden an diesem Tag einen Teil ihres Inventars verkaufen, somit Platz schaffen und damit den Grundstein für das nächste Jahr legen. Sie wollen neue Ideen realisieren und ihren Gästen nie das Gleiche präsentieren.

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