Schritt für Schritt ins Schokoglück

– Von Antje Benda –

Ullrich Deprie im Rostocker Stammhaus seiner Schokoladerie. Foto: Antje Benda

Eine weiche und warme Flüssigkeit läuft in meinen Hals. Ich schmecke die unendlichen Weiten von Sonne. In meinem Kopf kann ich das unglaubliche Grün unberührter Wälder sehen und die Säcke voller Nüsse, wie sie nur darauf warten, in das warme und weiche Nass der Schokolade zu tauchen. Während ich ein weiteres Stück der Haselnussschokolade auf meiner Zunge zerschmelzen lasse, genieße ich nur den Moment. Mir ist nicht klar, welche Arbeit hinter diesem einen zarten und wohlschmeckenden Stück verborgen sind, welche Auflagen und Kosten. Ullrich Deprie kannt die Ausmaße 2005 vielleicht auch noch nicht, als er seine „Schokoladerie de Prie“ am Rostocker Stadthafen eröffnete. Dort entwickelt er Pralinen unterschiedlichsten Geschmacks, Hohlkörper für dickbäuchige Weihnachtsmänner oder dreistöckige Hochzeitstorten für einen der schönsten Tage im Leben eines verliebten Paares. Schritt für Schritt ist er seinen Weg, unter anderem durch Westeuropa, gegangen, um sein kleines, ausgezeichnetes Unternehmen nach vorne zu bringen. 1978, als die Sachsen noch Seefahrer waren, kam er nach Rostock und als Quereinsteiger letztlich zur Schokolade. Hinter seinem Unternehmen steht das Konzept des traditionellen Handwerks eines Chocalatier verbunden mit modernen Rohstoffen und Produkten sowie einem kleinen Großhandelsanteil.

Doch was ist, wenn die Bürokratie einem die Ketten um Hals und Arme hängt und daran hindert, kleine Schokoladenmomente zu verschenken? Blicken wir auf den Augenblick der Komposition einer Praline. Sie findet im Haus Deprie ganz ohne fremdes Zutun statt. Ein Trüffel wird gemischt mit Kräutern und Nüssen in genau dem richtigen Verhältnis. Ein Umstand, der nur mit Fachwissen über sein Handwerk und seine Gerätschaften möglich ist. Doch was wäre, wenn die Nüsse plötzlich dreimal so teuer wären als das Jahr zuvor? Geschehen in diesem Jahr! In der Türkei ist die Haselnussernte fast komplett ausgefallen und es konnten nur fünf Prozent der eigentlichen Masse geerntet werden. Im Umkehrschluss erhöhte sich der Preis für ein Kilo Haselnüsse von 5,10 Euro auf 15,80 Euro. Ullrich Deprie muss sich also fragen, wie er seine Geschäfte am Laufen halten will. Mittlerweile besitzt er Häuser in Warnemünde, Stralsund, Güstrow und Schwerin mit Mitarbeitern und Kunden, welche das besondere Stück Schokolade suchen. Er hat seine Produktpalette um Schokoladenkosmetik, ausgefallene Besonderheiten wie Salami-Haselnussnougatwurst und Torten erweitert, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Es zeigt sich also, je intensiver man in die Schokolade eintaucht, umso schwieriger wird es, das Besondere einzufangen. Neben den steigenden Rohstoffpreisen legt er ebenfalls Wert auf Fairtrade und biozertifizierte Ware, würde aber seine Produkte so nicht kennzeichnen lassen. Viel zu hoch wären die Folgekosten, welche er auf seine Schokolade umschlagen müsste. Dies wäre letztlich das Ende für sein Geschäft.

Bei Schokoladenseminaren können Willige lernen, wie man Pralinen selber macht. Foto: Antje Benda

Solange der Spaß an der Schokolade überwiegt, wird er seinen Weg Schritt für Schritt weiter gehen. Damit auch jeder versteht, warum ihm Schokolade so eine Freude macht, bietet die Schokoladerie de Prie schon seit 2005 Schokoladenseminare an. Dort heißt es: Schürze umbinden, fünf Minuten Einführung und dann ans Arbeiten. Schokolade wird eingeschmolzen, Pralinen gegossen oder in Schokolade geschrieben, alles mit Spaß im Hintergrund und ohne große Geräte. So kann man auch zu Hause seine eigenen Trüffel zaubern. Im Laden können die Kunden bodenständige Trüffel, Seifenstückchen mit Schokolade zum Baden oder einen personalisierten Weihnachtskalender für Rostock erstehen. Vielleicht alles etwas teurer als im Supermarkt, da Kakaobutter börsennotiert ist, aber im Gegensatz zum Discounterschokoweihnachtsmann haben seine Jungs den Kakao nicht nur gesehen, sondern sind auch in ihm geschwommen und haben ihn praktisch inhaliert.

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