HOLGER STARK – ES GEHT NICHT IMMER NUR DARUM, IN EINEM RAUM KUNST AUSZUSTELLEN

JAN 2015 – 0381-Magazin

Holger Stark versucht, die Künstler in Mecklenburg zu verketten und vor allem den lokalen und weiblichen Akteurinnen eine Plattform zu geben. Fünf Jahre hat er die Galerieräume der Wolkenbank gemeinsam mit seinen Kollegen geführt und nebenbei einen Handwerksbetrieb geleitet. Fünf Jahre – die Galerie wird geschlossen, doch die Agentur Wolkenbank wird weiterleben.

Holger Stark ist vielleicht keine 35 mehr, was ihm auch wohl bewusst ist, aber „vollendet“ ist er als Künstler deswegen noch lange nicht. Sein Geist ist lebendig und brennt für die Kunst und seine Menschen.

Der Grundstein wurde dazu  schon in jungen Jahren gelegt. Zu DDR-Zeiten noch als kindlicher Leistungsschwimmer aktiv, wurde im Schulischen irgendwann selektiert. Sportschule oder eben nicht. Holger sollte keinen Platz bekommen. Seine Eltern hatten wohl Angst, dass er auf die schiefe Bahn geraten würde und legten ihm eine Entscheidung auf. Die Wahl bestand zwischen dem Malen oder der Musik. Da ihm allerdings selbst die Handhabung einer Blockflöte vor die größten Herausforderungen stellte, entschloss er sich für die Kunst.

In die Lehre ging er bis ins 21. Lebensjahr bei Waldemar Krämer am Rostocker Konservatorium. Ein Mann, der in Dresden studiert hatte und mit weißem Kittel und Künstlerbart seine ersten Zeichnungen mit einem dicken Stift „zerstörte“. „Holger, du musst größer, du musst kräftiger malen!“ Waldemar Krämer hatte ihn gelehrt, sich nicht zu ducken, es nicht der Gesellschaft Recht zu machen, sondern nach eigenen und unverblümten Idealen zu streben. Das tat er, indem er nach Dresden ging. 1984 konnte er endlich nach langen Mühen dort sein Studium beginnen.

Eine kurze Wankelmütigkeit führte zum baldigen Abbruch, um das Studium daraufhin gleich wieder anzugreifen. 1990 diplomierte er und arbeitet seit dieser Zeit als freischaffender Künstler.

Über Hamburg führte ihn sein Weg über das Royal College of Art in London bis nach Berlin. Er selber sagt über seine Studienjahre, dass sie seinen Blick weiter gemacht haben. Vor allem die Zeit mit seinen Berliner Künstlerkollegen, welche auch in die starken Jahre des Punks vielen, brachten seine kreative Entwicklung einige Schritte voran. Ein Abschnitt im Leben, welcher nötig war, um unter die Oberfläche von Kunst und Kultur schauen zu können.

In Berlin arbeitete er fürs Theater, den Film und ähnliches, da ihm schon damals bewusst war, dass er mit seiner Kunst keine großen Gelder verdienen würde. Zu sehr irritieren seine Werke. Ob digitale Fotografie, Installation, Performance oder Landart. Er zeichnet sich nach wie vor dadurch aus, dass es nicht „süß“ sein will, nicht systemangepasst, sondern Klartext sprechen möchte. So wurde es ihm in Dresden beigebracht.

Erst eine innere Sehnsucht führte ihn 2000 zurück nach Mecklenburg Vorpommern. Er kam mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn zurück und kaufte einen alten Speicher in der Nähe von Rostock, welchen er nach eigenen Vorstellungen umgestalten wollte. Im Frühjahr 2005 übernahm er zudem nach mehreren Jahren freiberuflicher Mitarbeit als Zimmermeister, die Geschäftsführung in der Kerbholz GmbH. Diese zeichnet sich durch ihre Philosophie aus, traditionelles Handwerk mit Geschichtsbewusstsein zu verbinden. 2008 sollte dann ein Wendepunkt in seiner beruflichen Karriere einsetzen. Die Kerbholz GmbH trat erfolgreich an die Seite der Bundesgartenschau in Schwerin und verhalf dem Künstler, Zimmerer, Kurator usw. zu seinem verdienten finanziellen Background.

Die Künstleragentur und Galerie Wolkenbank eröffnete 2009 ihre Räume in der Wollenweberstrasse 24 in Rostock. Die Kunst mit dem Bürger zu vereinen. Eine Art Aufklärung zu betreiben, die Menschen im Sehen und Fühlen der Kunst zu schulen und natürlich ein Netzwerk aufzubauen, sollten die größten Herausforderungen sein. Fünf Jahre liegt diese Entscheidung nun zurück.

60 Künstler und 40 Ausstellungen haben sie in dieser Zeit ausgerichtet. Zahlreiche Künstler mit der Agentur als „Dienstleister“ unterstützt und Kunst nach oben gehalten, die auch mal spröde wirken konnte. Jetzt wird die Galerie geschlossen. Doch wie sagt man? – Jedes Ende ist auch immer ein Anfang. Die Agentur Wolkenbank wird weiter existieren und jungen Künstlern eine Plattform geben. Für Holger Stark bedeutet das auch wieder mehr Zeit für sich. Neue Dinge anzugehen und seine Familienbande intensiver zu pflegen.

Fünf Jahre ohne Urlaub, ohne Pause lässt die Kreativität erlahmen und einen ermüden. Trotz allem ist er stolz und zufrieden mit dem, was er geschaffen hat. Er weiß, dass die Galerie nur ein „Zubuttergeschäft“ war und ihm geholfen hat, seine Vernetzung in und über die Grenzen von Mecklenburg-Vorpommern hinaus zu stärken. Jetzt ist er guter Dinge, dass es für ihn und seine Kollegen von der Wolkenbank erfolgreich weiter geht, schließlich haben sie stets professionell gearbeitet. Als Künstler freut er sich auf seine Pause, da er seine besten Ideen stets in den Phasen der Langeweile hatte.

Wie es auch kommen mag, Holger Stark wird weitergehen und die Menschen inspirieren, sich neuen Dingen zu öffnen und so den Jungen und Kreativen eine Möglichkeit geben, zu bleiben.

ANTJE BENDA

Foto: Thomas Häntzschel/Nordlicht

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