Tanja Zimmermann – Die weibliche Leichtigkeit des Seins

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Tanja Zimmermann – Die weibliche Leichtigkeit des Seins

Feb 15

Tanja Zimmermann stellt aktuell in der Kunsthalle aus und bezaubert die Besucher durch Experimentierfreudigkeit und ein fröhliches Schwirren ihrer Werke. Sie schafft es, den Forscher und Entdecker in uns zu wecken und die Welt der Kunst wieder mit der Leichtigkeit eines Kindes wahr zu nehmen.

Der Raum ist hell und besitzt große Fenster, Bilder liegen auf dem Boden, an die Wände gestützt oder gestapelt auf dem Tisch. Blaue und rote Farben durchlaufen die Pupille und werden warm auf die Netzhaut geworfen. Das Atelier von Tanja Zimmermann liegt in der Frieda 23 und zu einem größeren Teil bei sich zu Hause. Ihre Malerei ist hell und freundlich. „I turn and the tree turns with me“ heißt ihre aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle und beschreibt vom 10. Januar bis 15. Februar im Grafikkabinet auf interessante Weise ihre Werke. Ganze Schriftreihen hat sie auf die Wände gedruckt und im Laufe von drei Jahren mehr Material als nötig für die Räumlickeit geschaffen. Namensgebend war eine Zeile aus dem Gedicht „The man in the tree“ von Mark Strand. Der Baum als Symbol für das ländliche Leben, in welchem sich die Malerin befindet und die Kompensation oder auch der „turn“ durch Künstlerreisen nach Gotland, Virginia oder Island. Immer darauf bedacht, dass sich ihre Familie und Freunde mit ihr drehen.

Sie bringt Leichtigkeit und eine feminine Sicht in die Kunst. Das Gefühl immer in Bewegung zu sein, das Schwirren des Lebens mitzunehmen und auf ihre eigenen Bilder zu übertragen. Mit dem Malen hat sie früh angefangen, nicht zuletzt durch ihren Vater der 1969 die Kunsthalle gründete und das ein oder andere Mal die Kontorbücher ihrer Großvaters mit ihr zusammen vollmalte. Eine aufregende Welt, welche durch den Geruch von Farbe dominiert wurde und ihr zeigte, wie Kunstwerke, u.a. von dem Bildhauer Joachim Jastram, entstanden. Das Handwerk lernte sie, genauso wie ihr Mann Holger Stark bei Waldemar Krämer im Zeichenunterricht. Eine Zeit die geprägt war durch die Geborgenheit der Familie und den Begegnungen mit skandinavischen und westdeutschen Künstlern, welche mit ihrem Vater arbeiteten. Eine für Tanja Zimmermann sehr spannende Phase ihres Lebens in einer doch abgeschirmten Umgebung.

Der Drang Rostock zu verlassen und auf eigenen Beinen zu stehen war nach dem Abitur größer als zuvor und zog sie nach Dresden, um dort zu studieren. Im dritten oder vierten Studienjahr befreite sie sich vom Druck der Hochschule und verfiel in einen kreativen Schaffensrausch, beeinflusst durch die archaische Kunst und die Expressionisten (Brücke Künstler in Dresden). Vieles war damals verkrustet und unlebendig und führte dazu, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann Ausstellungen in ihren eigenen Wohnungen oder Performance machten, um diesen Kreis zu durchbrechen. Ohne die Rolle der Anführerin zu spielen. Sie sah sich eher in der Verkörperung der kreativen und lebendigen Aktivistin, die stetig mitmischte.

Nach ihrem Studium 1987 ging sie nach Wangelin und blieb ein Jahr, bevor es die Malerin zurück nach Dresden zog und Meisterschülerin bei Johannes Heisig wurde. Zwei Jahre druckte sie Lithographien und erstellte die Mappe zu Texten des Lyrikers Bert Papenfuß „Arianrhod von der Überdosis“. Gemeinsam behandelten sie damals die aktuelle Wendesituation auf eine spontane, anarchische und umtriebige Art und Weise. Nach der Wende ging ihr Mann nach London und sie machte sich auf Berlin zu erobern. Beworben auf das Kunstprojekt „Goldrausch“, wirkte sie schon bald mit Künstlerinnen der Szene zusammen. Tanja Zimmermann war damals die einzige aus der ehemaligen DDR, welche zudem einen ganz anderen Kunstbegriff vermittelt bekommen hatte. Gemeinsam lernten sie über eineinhalb Jahre wie man seine  Arbeit als Künstlerin professionell angeht, wie man Netzwerke knüpft und mit Galerien arbeitet.  Durch ihr zeitgleiches Schaffen in der Keramikwerkstatt von Wilfriede  Maas, gelangte Tanja Zimmermann  an ein Atelier in Pankow, welches ihr viel Platz und  eine tolle Nachbarschaft mit anderen Künstlern verschaffte
Zehn Jahre war die Künstlerin in Berlin und wollte eigentlich gar nicht weg. Gemeinsam ist sie mit ihrem Mann Holger und Sohn Jakob zurück nach Mecklenburg gezogen. Sie liebt die Natur und die Sommer in unserer Region und möchte sie auch nicht missen, doch wird die Zerrissenheit zwischen den städtischen und ländlichen Gepflogenheiten, die kreative Frau wohl nie ganz los lassen. Sie selbst sagt, dass sie eine Stadtpflanze wäre, welche mittlerweile in Rostock andocken konnte. Sie arbeitet als Malerin und Dozentin und wird hoffentlich durch ihre Kunst den Forscher im Betrachter immer aufs Neue wecken.

ANTJE BENDA

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