Kraftklub: Mit Spielraum nach oben

Mittlerweile kennt sie wohl jeder, der ab und an die aktuelle Musiklandschaft verfolgt. Kraftklub aus Chemnitz. Fünf Jungs, die irgendwie hip sind und es so richtig nicht wollen. Sie nehmen sich, ihre Fans und eigentlich alles mit ihren ironischen Texten auf die Schippe und landeten erneut mit ihrem zweiten Album „In Schwarz“ auf Platz eins der Albumcharts.

Wenn man sich Felix, Karl, Steffen, Till und Max in ihren Videos, auf ihren Konzerten oder ihren Klamotten anschaut, sehen sie wohl nicht anders aus, als andere Kerle in ihrem Alter. Insgesamt weisen sie aber den großen Unterschied der Popularität in ganz Deutschland auf und sind trotz allem ziemlich normal in ihrem Auftreten. So ist es kaum verwunderlich, dass Steffen – Gitarrist der Band – während unseres Telefonats an einer Zigarette zieht und ab und an genauso sympathisch „rumsabbelt“ wie jeder andere Typ.

Kraftklub_2_VertigoCapital_ChristophVoy0381-Magazin: Du bist Musiker und eine Frage die mich stets interessiert ist, wie man, beziehungsweise du, eigentlich zur Musik gekommen bist?
Steffen: Ich habe damals schon viel Musik gehört. Meine erste CD war von The Bates, das war so 90er Rotz. Mein Onkel hat uns Musik von den Scorpions mitgebracht und halt mein Bruder. Ich war damals in dem Alter, wo ich alles gemacht habe, was mein großer Bruder tat. Der hat sich für die Punkmusik entschieden und die fand ich irgendwie auch ganz cool. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ich wollte eigentlich lieber Schlagzeug spielen lernen, da wir aber in einem Mietshaus wohnten, ging das nicht so richtig. Bevor ich jedoch nichts machte, entschied ich mich halt für die E-Gitarre. Ich habe dann viel für mich gespielt und wollte irgendwann natürlich auch mit anderen Leuten proben. Im Atomino, einem Klub in Chemnitz, lernte ich irgendwann Karl und Max kennen, die schon eine eigene kleine Band mit Till hatten. Gemeinsam sind wir in Maxs Keller zum Jammen gegangen, woraus sich Neon Blocks entwickelte. Wir spielten über ein zwei Jahre auch ein paar Konzerte und irgendwann fragte Felix, der damals schon gerappt hatte, ob wir nicht beide Projekte – seinen Rap und unsere Band – fusionieren lassen wollen. Daraus ist dann Kraftklub mehr oder weniger entstanden.

0381-Magazin: Euer zweites Album „In Schwarz“ ist wie auch euer Erstling „Mit K“ auf Platz eins der Albumcharts gelandet. Standet ihr bei der Produktion in großem Zugzwang gleiches zu erreichen? Und was denkst du, warum gehen die Leute so auf Euch ab?
Steffen: Wir haben uns Anfangs keinen Druck gemacht und beherrschen auf dem zweiten Album auch unsere Instrumente besser. Erst als es fertig war, kam der Stress. Letztlich ist es schön, dass die Leute einen hören wollen. Was auch daran liegt, dass wir uns einfach viel live erspielt haben. Es ging ja auch ziemlich schnell nach dem ersten Album. Wir hatten damals schon einen Andrang, den normalerweise Bands mit drei vier Alben haben. Wir haben noch etwas Spielraum nach oben, da man sich an uns noch nicht satt gehört hat.

0381-Magazin: Mittlerweile kommt ja auch gerne der Satz: „Hört sich an wie Kraftklub…“. Ist das ein gutes Gefühl? Und wie geht ihr damit um, dass sogar Heino „Song für Liam“ gecovert hat?
Steffen: Das ist schon eine Ehre, wir klauen ja auch bei Bands, die wir toll finden und klar ist das super ein Vorbild für andere zu sein. Man freut sich darüber. Bei Heino war hingegen deutlich, dass es wenig um Verehrung geht. Der wollte nur einen Song covern, der aktuell ist und mit dem er eine andere Zielgruppe erreicht. Wenn man den fragt, ob er den gecovert hat, weiß der das garantiert gar nicht mehr. Die waren auch so freundlich und haben gefragt, ob sie dürfen. Wir haben Nein gesagt. Aber rechtlich ist es so, wenn Text und Melodie bleiben und Songs eins zu eins nachgespielt werden, kann er es ohne unsere Erlaubnis machen. Er hat zwar keine Urheberrechte daran, ist aber auf der sicheren Seite. Wir haben uns nicht groß darüber geärgert, wäre ja nur zusätzliche Aufmerksamkeit gewesen.

0381-Magazin: In eurem aktuellen Album verarbeitet ihr nach eigener Aussage in mehreren Interviews, die letzten zwei Jahre. Aktuell findet man die Single „Schüsse in die Luft“ zu der es auch ein One-Take Video gibt. Was ist der thematische Hintergrund dazu?
Steffen: „Schüsse in die Luft“ ist keine wirkliche Singleveröffentlichung, sondern wir wollten dem Song nur ein Video geben. Wir haben es dann in Eigenregie gedreht. Felix hat den Text geschrieben und es ist, glaub ich auch, sein Lieblingstitel auf der CD. Er greift mit ihm Missstände in den verschiedenen Generationen auf, eine Thematik mit der er sich schon länger beschäftigt hat. Er wollte damit auch keinen moralischen Zeigefinger erheben, sondern nur Aufmerksamkeit erreichen und zeigen, dass die meisten nicht wirklich was verändern, sondern einfach irgendwie mitmachen. Es ist allerdings immer schwierig über einen Text zu sprechen, denn man nicht selbst geschrieben hat.

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0381-Magazin: Wenn du sagst „auf Missstände aufmerksam machen“, stellt sich mir die Frage, ob ihr euch selbst auch für politische oder soziale Themen engagiert?
Steffen: Wir haben schon mal als Band auf einer Anti-Nazi-Demo in Chemnitz gespielt und gehen aktuell auch auf Gegen-Demos, aber als Kraftklub eher weniger, sondern privat. Unser Beitrag war halt dieser Song und wir sehen uns nicht in der Position anders zu agieren. Ein schönes Beispiel dafür ist der Sampler „Kein Bock auf Nazis“, für den wir den Titel „Song für Liam“ zusammen mit Casper beigesteuert haben.

0381-Magazin: Eure Tour startet am 17. Februar in Graz und wird am 13. März in Rostock halt machen, wie laufen denn die Vorbereitungen so?
Steffen: Vor der „In Schwarz“ Tour, wie allgemein vor einer Tour, proben wir täglich. Fangen um elf an, gehen Mittag essen und proben weiter. Es ist Schade, dass es nicht mehr wie früher ist. Da sind wir zur späterer Zeit in Proberaum, haben Bier getrunken und gejammt. Jetzt hat man halt abends mehr Zeit, ist auch ganz nett und halt ein richtiger Job. Nach Chemnitz wird dann nochmal in Berlin in einem größeren Objekt mit dem Equipment etc. geprobt.

0381-Magazin: Mit Universal Music (mit Sitz in Berlin) habt ihr ein ziemlich großes Label hinter euch, was manche Musiker ablehnen würden. Warum ihr nicht?
Steffen: Wir hatten nie Probleme uns auf einen Major Deal einzulassen. Wir wollten das am Anfang und es hätte auch irgendwo uns etwas gefehlt, alles selbst zu machen. Wir wissen wie das Geschäft funktioniert und uns ist bewusst, dass wenn es irgendwann nicht mehr gut läuft, sind die von der Plattenfirma auch nicht mehr deine Freunde. Aber wir hatten bis dato keine Probleme und sie haben uns auch beim Album einfach machen lassen. Wir sind da sehr entspannt. Landstreicher Booking kümmert sich dann um die Konzerte, von Universal sehen wir eher selten jemanden.

0381-Magazin: Neben eurer CD-Veröffentlichungen, Videodreh und zahlreichen Konzerten, habt ihr auch das Kosmonaut Festival in Chemnitz auf die Beine gestellt. Wie kommt man als Band mit einem vollem Terminplan darauf, ein eigenes Festival zu veranstalten?
Steffen: Wir haben selbst auf vielen gespielt und die Idee dahinter gefällt uns. Viele Bands und mit Kumpels zelten. Bei uns gab es keins mehr und so haben wir unser eigenes gemacht.

Lassen wir es so im Raum stehen, freuen uns auf das Konzert in der Stadthalle am 13. März und ziehen den Schluss: Kraftklub wirkt bodenständig, engagiert und scheint voller Ideen zu stecken.

Antje Benda

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