Radio LOHRO: PRO Mensch

Erschienen auf http://www.lohro.de am 10. November 2015

Der 14. November 2015 – Tag der Demonstrationen in Rostock: Für und gegen Flüchtlinge. Wir haben uns mal die Zeit genommen und spielen am Samstag fünf Stunden Musik zum Thema „Pro Flüchtling – Pro Menschlichkeit – Gegen Fremdenfeindlichkeit“. Ab 16 Uhr geht es los. Hier unsere Gedanken zu dem Thema.

von Antje Benda

„Deutschland den Deutschen“, „Die wollen doch alle nur unser Geld“ oder „Die ganzen jungen Männer die kommen, werden uns vergewaltigen.“ Sprüche, die ich beim Durchforsten des World Wide Web tatsächlich häufiger hören und lesen musste. Flüchtlinge werden als Kriminelle gesehen, als Straftäter oder einfach als das potentielle Böse. Dabei scheint es schon lange keine Rolle mehr zu spielen, ob es sich um Wirtschafts- oder Kriegsflüchtlinge handelt. Der Kamm der Gesellschaft wurde heraus geholt und wütet ohne Rücksicht. Menschen auf der Flucht werden in den Augen der Ängstlichen fast als Heuschreckenplage empfunden, welche über unser Land herfallen und unsere „Schätze“ räubern. Ein umher wabern von menschenverachtenden Worten und gefährlichem Halbwissen. Noch mit gesenkten Köpfen, noch zum Teil versteckt in Facebook Gruppen oder kleinen Zusammenschlüssen, doch die Geschichte lehrt uns, dass dies ein Anfang sein kann.

Aktuell versucht eine Vielzahl von Menschen Deutschland zu erreichen, aus unterschiedlichsten Gründen sicherlich, aber meist ist einer immer der Gleiche, sie kommen um ein besseres Leben zu führen. Kann man ihnen dies verwehren? Ihnen das Asyl absprechen? Die Politik und Vorbereitung zum Thema Flüchtlinge im Vorfeld war nicht die Beste und führte zu einem unkontrollierten Einstrom. Aktuell kann wenig geändert werden und so sollte man das Beste aus der Situation machen und zu einem Ganzen werden. Einige sehen dies anders und fordern den Stopp des Flüchtlingsstroms nach Deutschland. Aussagen, wie unser Asylrecht würde von zu vielen missbraucht werden, hört man bedrückender Weise immer häufiger. Ein Themenkomplex, den sich die rechte Bürgerinitiative „Deutschland wehrt sich“ auch am 14. November auf die Fahnen geschrieben hat. Sie wollen auf dem Konrad Adenauer Platz am Hauptbahnhof gegen den Missbrauch demonstrieren. Doch eine Frage die ich mir schon länger stelle, ist: Was ist denn eigentlich Asylmissbrauch? Kurz und ziemlich allgemein gefasst, genießen nach Artikel 16a des Grundgesetzes (GG) der Bundesrepublik Deutschland politisch Verfolgte Asyl. Das Asylrecht dient dem Schutz der Menschenwürde in einem umfassenderen Sinne. (Quelle: bamf) Karamba Diaby beschreibt zudem in der Zeit vom 10. August 2015 in „Asylmissbrauch gibt es nicht“ den Missbrauch des Gesetzes schlicht als nichtig.

Der Begriff „Asylmissbrauch“ geht aber noch aus einem anderen Grund fehl: Jeder Mensch hat ein Recht darauf, einen Antrag auf Asyl zu stellen, und darauf, dass sein Antrag geprüft wird. Die Bewilligung von Asyl erfolgt nach klaren Rechtsvorschriften. Erfüllt ein Mensch diese Richtlinien, erhält er oder sie ein Aufenthaltsrecht. Erfüllt ein Mensch die Kriterien nicht, so erhält er oder sie kein Asyl. Und kann es auch logischerweise nicht missbrauchen. Kurzum: Der Begriff des Asylmissbrauchs ist absurd. Schließlich werfen wir Studierenden ja auch nicht vor, „BAföG-Missbrauch“ zu betreiben, wenn sie unberechtigterweise einen BAföG-Antrag stellen.

Gegen was wird also am 14. November 2015 in Rostock demonstriert, wenn ein Missbrauch gar nicht zur Debatte steht? Schauen wir kurz auf die Seite von „Deutschland wehrt sich“. 6741 Follower auf Facebook (Stand: 10.11.2015), die sich als patriotisch und klar denkend bezeichnen. Kommentare wie: „Wir Europäer müssen uns nicht noch zusätzlich gewalttätige Arschlöcher und Kriminelle aus dem Ausland importieren.“ unterstreichen all zu schnell meine bereits bestehende Meinung. Das einzige positive daran ist wohl, dass sie sich schon mal als Europäer sehen. Ob dies die Sache besser macht, sei dahin gestellt. Letztlich werden am 14. November u.a. drei Gruppen in Rostock ebenfalls auf die Straße gehen und gegen „Deutschland wehrt sich“ demonstrieren.„Rostock hilft!“, „Rostock Nazifrei“ und die „Rostocker Gutrocker“. Sie zeigen sich solidarisch mit Geflüchteten und gegen Hetze.

Wir haben uns dies zum Vorbild genommen und geschaut was musikalisch in unserer Umwelt „Pro Flüchtling – Pro Menschlichkeit – Gegen Fremdenfeindlichkeit“ so abläuft. Abgebildet wird die Musik entsprechend in unserem Programm am 14. November von 16 bis 21 Uhr. Pro Mensch soll es heißen. Und welche Musik soll es geben? Hier eine kleine Auswahl:

Die Toten Hosen „Sascha … ein aufrechter Deutscher“

Die Toten Hosen schon immer in der Punk Szene unterwegs, verstehen sich als Verfechter von Menschenrechten und nutzen ihre Popularität um Dinge in Deutschland zu ändern. Sascha erschien 1992 als Spotlied. Ein Resultat der Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen als Protest gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Herbert Grönemeyer „Die Härte“

Als Musiker, der sich stark mit seinen Texten im privaten und emotionalen aufhält, schaffte er ebenfalls häufig politische Lieder. Die Härte stammt von der 1993 erschienen scheibe Chaos und versteht sich als Anti Nazi Song.

Antilopen Gang „Beate Zschäpe hört U2″

Deutscher Hip Hop trifft auf die Banalität des Seins. Die perfekte Beschreibung des Songs. Vom Verlust der Individualität, in der Musik nichts mehr über den Hörer aussagt und die Mode nichts mehr über ihren Träger. Vom Alltäglichen rechter Gedanken.

Des weiteren: The Beatles, Die Ärzte, Feine Sahne Fischfilet, Antispielismus, Dead Kennedys, Ian Brown etc.

Zusammengefasst:
Pro Mensch
Musik: „Pro Flüchtling – Pro Menschlichkeit – Gegen Fremdenfeindlichkeit“
14. November – 16 bis 21 Uhr

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