ZierArt: Kunstkollektiv, Leben und Aufgabe

René Zynda ist Anfang 30 und hat seinen Weg gefunden. Gefunden über eine Metalldose die durch Treibgas Farbe an Wände bringen kann und so eine andere Art von neuen und vergänglichen Hieroglyphen hinterlässt. Zerstäuber von Gedanken eines jungen Künstlers in Rostock, der seinen Weg selbständig und Facettenreich gehen möchte und dies im Kollektiv ZierArt.

1998 war nicht nur das Jahr in dem der Bundestag den Lauschangriff genehmigte, Hybrid Theory (heute bekannt unter Linkin Park) gegründet wurde, sondern auch die Geburtsstunde der kreativen Schaffenskraft von René Zynda aka Zetti auf dem Plan stand. Damals nahm er das erste Mal eine Sprühdose in die Hand und verfasste ein Graffiti mit herausragender Ausdruckskraft. Der schlichte Schriftzug SOCO sollte sein und das Leben von uns allen dauerhaft verändern.

Seine Leidenschaft wurde gepackt und führte ihn zu unzähligen Projekten mit Graffiti und Airbrush.

„Ich habe angefangen rumzukritzeln um mich an Wänden mit Farbe auszuprobieren“,

sinnierte René fröhlich, während er an die Zeit zurück denkt, als er 2002 sein Projekt ZierArt gründete. Wie sein erstes Werk damals aussah, wird den meisten von uns auf ewig verwehrt bleiben, über seine Kunst heute kann man folgendes sagen: Bilder die graue Wände verdecken, den Skater der 90er aus unserem Inneren herauf beschwören und gleichzeitig uns mit der Kogge in alte Hansezeiten von Rostock katapultieren.

Profil@Ren+®-Zynda„Ich verzichte halt größtenteils auf Cuttings und mache meine Effekte und Highlights lieber mit Airbrush“, sagt er selbst über die Schattierungen seiner Arbeit. Sein Stil ist eigen und wirkt auf mich düster, trotzdem belebend und frisch. Ein Sprung zwischen den Emotionen und farblichen Welten, welche unser Geist aufnehmen kann. Früh schien ihm bewusst, dass ihn sein Weg in die Farben des Regenbogens und die Wände unserer Stadt tragen würden. Der in Rostock und Ribnitz aufgewachsene Zetti entschloss 2006 endgültig in unsere Hansestadt zu ziehen und sein Kunstprojekt ZierArt weiter nach vorne zu treiben. Mittlerweile schreibt es mehr als 15 Lenze, bringt Logos auf Wände, arbeitet Wohnmobile auf oder schafft mit anderen Künstlern neue Welten, kurz es ist zu einem Kollektiv heran gewachsen.

“Ich habe viel alleine gemacht, aber in den letzten Jahren auch mehr mit anderen. Das Spektrum ist dadurch angewachsen und man kann mehr ausprobieren und anbieten.“

Eine Tatsache die Zetti das Leben leichter macht und er so neue Wege gehen kann. Eine von seinen Mitstreitern ist Valeria Reinders oder sinnlich Valevio genannt, welche zwar nicht aus unserer schönen Stadt kommt, aber mit Zetti eine großartige Symbiose schafft. Ihr letztes gemeinsames Werk findet man in der Frieda 23 im Flur, der die Stockwerke vom Institut für neue Medien mit der Kunstschule und Radio LOHRO verbindet und das nicht ohne Grund. Vor etwa drei Jahren hat sich Zetti entschlossen, sich und sein Projekt zu professionalisieren und mehr Facetten in seine Arbeit aufzunehmen. Eine größere Vielfalt an den Tag zu legen und die kalten Wintermonate lieber mit Flyergestaltung zu überbrücken, ein Plakat zu gestalten oder in einer Textildruckerei seine Fähigkeiten an den Tag zu legen. Doch wie es unserer schönen bürokratischen Welt ist, ist es meist einfacher das Ganze über einen schulischen Weg zu erlernen und am Ende ein kleines Stück Papier in Händen zu halten, welches uns mehr Sicherheit gibt. In seinem Fall ausgestellt von der IHK Rostock vermutlich am 31. August 2016 mit dem großartigen Titel: „Herr Mediengestalter René Zynda“.

workshop@Ren+®-ZyndaDem Kopf hinter ZierArt ist mehr als bewusst, dass ein Leben in der Kunstszene nicht einfach ist. Als Wandgestalter sind die Sommermonate meist voll von Arbeit und der Winter so wie das Wetter selbst: trist und kalt. Doch keine Sorge um den jungen Mann, schon seit einiger Zeit ist in seinen Hirnwindungen klar nachzulesen, dass er flexibel sein muss, nicht mehr so weit nach vorne schaut und seine Gedanken nicht allzu lang um das Schlechte kreisen lassen sollte. Es gibt für ihn immer Arbeit, ob als Wandgestalter im Juli oder digitaler Effektehascher im Dezember. Neben dem ständigen eigenen lernen und ausprobieren, ist es ihm eine Freude, wenn er zusammen mit Kindern und Jugendlichen Wände gestalten kann. Ihnen zeigt, wie man eine Sprühdose halten muss und sein erstes eigenes Graffiti an die Mauer sprayen kann. In den Sommerferien soll es wieder soweit sein und er wird gemeinsam mit Valeria einen Workshop im Jugendclub Pablo Neruda (SBZ Toitenwinkel) anleiten und mit den Kids vor Ort dem Jugendclub frisches Leben einhauchen. Bevor es jedoch soweit ist, heißt es dem Sprühdosenmann Zetti für seine Prüfungen und sein Praktikum die Daumen zu drücken und ehrenvollen Applaus zu spenden, wenn er seinen Abschluss hat. Danach soll es weiter gehen: die Homepage von ZierArt – Kollektiv MV wird aufgemöbelt, neue Aufträge werden angenommen und die Fassaden unserer Stadt wieder etwas bunter gestaltet.

Wer solange nicht warten will, setzt sich ins Treppenhaus der Frieda 23 und schaut sich den dicken Wal von ZierArt an. Im Idealfall mit passender Musik von Bristol mit dem Song „Mad about You“. In meinen Gedanken gibt es keinen Pinselstrich ohne die richtige Note. 

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