Ira Ott: die menschliche Leinwand

Ira Ott ist das Kunstprojekt Iron Faces.

Iron Faces ist eine menschliche Leinwand, die von Ira Ott bemalt wird. Das bunte Kunstprojekt zeigt sich als mythologische Frühlingsgöttin oder als Zeichen gegen den Rechtsradikalismus in Rostock. Und ganz eigentlich versteckt sich hinter beiden Namen eine kasachische Frau, die als 10-Jährige über Russland nach Ribnitz-Damgarten gekommen ist und jetzt in Rostock lebt.

Einige Menschen haben mich Iron genannt, weil ich früher so zurückhaltend und irgendwie hart war. Oder so getan habe. Ich habe lange überlegt, wie ich mein Kunstprojekt nenne und weil bei Body-Paintings unterschiedliche Gesichter und Charaktere entstehen, habe ich gedacht, dass das Faces ganz gut passen würde.“ Ira Ott ist Künstlerin und Meisterin im Friseur-Beruf. Begonnen hat aber alles mit ein paar Selfies als Emo-Girl auf Facebook. Anfang der 2000er wollte sie sich richtig in Szene setzen und startete ihre ersten Versuche sich selbst zu bemalen. Es folgten zahlreiche Tutorials, die sie sich ansah und Training im Kinderschminken. Mittlerweile macht Ira komplette Styles mit Make-up und Frisur plus die entsprechende Körperbemalung. Bevor es aber dazu kam, studierte sie an der Universität Rostock Soziologie und Erziehungswissenschaften. „Ich war von diesem langweiligen Studium total ausgelaugt und habe damals auch keine Paintings gemacht. Ich wusste nicht, was ich werden soll. Ich konnte mir damals einfach nicht vorstellen, was ich mit dem Studium machen sollte.“ Nach nur wenigen Semestern beendete Ira ihre Universitäts-Karriere und begann nach langem Hin und Her eine Friseur-Lehre. „Ich war damals total weit weg von diesem Beruf. Freunde haben mir die Haare gemacht oder ich habe sie einfach wachsen lassen. Ich war mit 22 also in einer völlig neuen Welt.“

Paintings um Mythen und Sagen

Mit ihrem Abschluss in der Tasche konnte sie dann bessere Frisuren als Paintings machen und entschloss sich für den nächsten Schritt: Selbstständigkeit, was in ihrem Bereich Meisterschulung bedeutet, die sie im September erfolgreich abgeschlossen hat. Nun soll es weiter gehen mit Fokus auf dem gelernten Handwerk.

Ira Ott bei der Arbeit: Mit ihrem Projekts Iron Faces verschafft sie sich kreativ Luft.

„Ich möchte mein Kunstprojekt Iron Faces auch nicht kaputt arbeiten oder kommerzialisieren. Ich möchte, dass es mir langfristig Spaß macht und es schützen.“ In ihren Paintings setzt sich Ira stark mit der Mythologie auseinander, so zeichnete sie sich schon die Frühlingsgöttin oder eine Meerjungfrau auf den Körper. Der deutsch-US-amerikanische Autor Wolf-Dieter Storl beeinflusst sie dabei in ihrem Leben und in den kreativen Prozessen sehr. Der Kultur-anthropologe und Ethnobotaniker befasst sich mit der Natur und versucht durch seine Bücher und Workshops den Menschen wieder aktiv mit den Tieren und Pflanzen zu verbinden. Inspirierend wirkt er auf Ira ein. „Ich lese mir zu den Figuren immer etwas an und versuche ihren Spirit einzufangen. Die großen Paintings mache ich an mir selber, weil ich mich halt sehr gut kenne. Wenn ich jemand anderes bemale, hat das einen krassen Einfluss auf das endgültige Resultat. Ich mag es auch nicht, an irgendwem irgendwas wie eine Schablone zu machen. Ich muss letztlich das Gefühl haben, dass ich mit der Person machen kann, was ich will, dann funktioniert es auch.“

Iron Faces: Die mythologische Morgaine ist eine wichtige weibliche Figur um die König Artussage.

Doch nicht nur die Mythen und Sagen der Vergangenheit liegen ihr am Herzen, auch die aktuelle politische Situation bringt sie mit ihrer Arbeit zum Ausdruck. „Ich habe mich auf der letzten Anti-AFD Demo auffälliger gekleidet und versucht Eindruck zu machen. Mir ist es wichtig, dieses Thema in den Fokus zu rücken. Menschen sind oberflächlich und visuell eingestellt. Und so versuche ich nicht nur, die Kunst für mich zu machen, sondern der ganzen Sache einen Sinn zu geben.“ Die junge Frau wohnt aktuell in Toitenwinkel und hat das Gefühl, dass die Stimmung in den Randgebieten von Rostock kippt. Anfeindungen scheinen anzuwachsen. Wegziehen, kann und will sie aber nicht. Die Wohnungen sind günstig und so kann sie ihr Geld in ihre Kunst stecken.

Die Dreifaltigkeit: die rote, die schwarze und die weiße Göttin

„Ich würde gerne als nächstes die Dreifaltigkeit darstellen. Das ist die weiße Göttin, die für die Jugend steht, die rote Göttin, die für die sprühende Frau steht und die schwarze Göttin, die die weise Frau symbolisiert. Dieses Projekt beschäftigt mich schon länger. Ich weiß nicht, ob ich das in naher Zukunft umsetzen kann und auch nicht, ob ich es in einem oder drei Paintings machen werde. Es kommt einfach immer wieder in den Büchern vor, die ich lese. Es ist einfach so nah an der Weiblichkeit und an mir. Ich will den Bezug zu Natur einfach nicht verlieren und mit dem Projekt schaff ich das. Es zeigt mir, dass es auch einen anderen Weg gibt. Das man nicht immer gegen diese Kapitalismuswand rennt und sich kaputt macht, sondern sich daran erinnert, dass alles nur ein Spiel ist.“

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