Valérie Tschirpig schützt Mensch und Natur

Wenn ein Mensch in Rostock landet, dann spricht er in der Regel vom Meer. So auch Valérie Tschirpig, die junge Frau ist seit Oktober 2019 Bewohnerin unserer Hansestadt und genießt es direkt an der Ostsee zu leben. Mit ihren 23 Jahren arbeitet sie bei der Küstenunion Rostock und engagiert sich für Natur und Gesellschaft. Als aktives Mitglied von Extinction Rebellion versucht sie die Welt besser zu machen und ihrem Leben einen Sinn zu geben.
Aufgewachsen in Wolfenbüttel bei Braunschweig ist Valérie Tschirpig über Japan und Göttingen in Rostock gelandet. Nach dem Abitur arbeitete sie zunächst bei dem großen gelben „M“, um Geld für einen Aufenthalt im Land der aufgehenden Sonne zu sparen. Ihr Ziel: sechs Monate Work and Travel. „Ich habe auf Farmen, in einem Kindergarten und in einer Sprachschule gearbeitet und im Gegenzug eine Unterkunft erhalten. Ursprünglich wollte ich Geld sparen, aber habe letztlich so die tollsten Erfahrungen in Japan gesammelt. Du lebst einfach mit den Menschen richtig zusammen.“ Zurück von der großen Reise studierte sie in Göttingen Geographie im Bachelor. „Das Fach zeichnet sich dadurch aus, dass es extrem viele verschiedene Gebiete sind, die hier zusammenlaufen. Ich habe es nach der Schule schade gefunden, dass ich mich für eine Sache entscheiden musste. Bei der Recherche nach einem Studium bin ich dann auf Geographie gestoßen und habe festgestellt, dass es für mich perfekt ist.“ Mit dem Bachelor in der Hand ging es dann weiter in unsere Hansestadt mit einem Praktikum bei der EUCC – Die Küsten Union Deutschland e.V. (EUCC-D), die sich mit nachhaltiger Küstenentwicklung, Küstenschutz und Umweltentwicklung beschäftigt. „Ich war als Kind schon immer viel mit meiner Mutter in der Natur wandern und wollte meinem Leben einen Sinn geben. Das hat sich während meines Studiums verfestigt. Als das Thema Klimawandel aufkam, wusste ich: Es muss was passieren! Gerade bei der Plastikverschmutzung habe ich es gemerkt. Ich war mit meinem Freund in Pakistan. Da hast du mehrere Tonnen Müll am Tag, die nicht verwertet werden können, einfach weil auch nicht die Kapazität da war, den Müll abzuholen und weiter zu verwerten. Wenn das alles im Meer landen würde, wäre es schrecklich.Die EUCC-D greift genau bei diesem Thema an und hat unter anderem die sogenannten Ostsee-Ascher mit initiiert. Wir schauen regelmäßig, was das Projekt bringt. Zigarettenkippen sind tatsächlich die am häufigsten gefundene Müllart. Wir waren zuletzt in Kägsdorf zum Monitoring. Dort liegt auf den ersten Blick nicht viel am Strand. Trotzdem haben wir auf 100 Meter Länge knapp 100 Zigaretten gefunden. Viele wissen auch nicht wie schädlich sie sind. Der Filter bestehen aus Plastik und sind erst nach 20 Jahren verhältnismäßig vernünftig abgebaut. Die enthaltenen toxischen Stoffe verunreinigen zudem das Grundwasser.“
Ab Januar 2020 arbeitet Valérie dann im Projekt Contra bei der EUCC-D weiter. „Ich werde mich mit Treibsel (Treibgut, dass an die Strände gespült wird) beschäftigen. Für die Gemeinden besteht ein hoher finanzieller Aufwand, dies an den Stränden wegzuräumen und rechtlich ist es zudem schwierig, Treibsel vernünftig weiter zu verarbeiten, zum Beispiel zu Dämmmaterial oder Ähnlichem. Treibsel, bestehend unter anderem aus Muscheln, Seegras und heute auch Plastikmüll, ermöglicht die Dünenbildung und ist Nahrungsgrundlage für die Tiere an den Küsten. „Es ist schwierig, wenn das alles im ganzen weggeräumt wird. Contra schaut sich an, wie man den Strand nachhaltiger bewirtschaften kann. Eckernförde hat zum Beispiel eine Düne mit Treibsel konstruiert und ein Haus damit bedeckt.“
Neben ihrem Praktikum engagiert sich Valérie ehrenamtlich bei Extinction Rebellion (engl. Rebellion gegen das Aussterben – Umweltschutzbewegung). Ihr Freund, der ebenfalls in Göttingen studierte, ist über die Bewegung Fridays For Future auf die noch recht junge Gruppe aufmerksam geworden und als passionierter Weltverbesserer gleich Mitglied in der Ortsgruppe geworden. Dies immer im Hinterkopf habend, trat auch Valérie in Rostock der Bewegung bei. Seitdem hat sie bereits an einer Straßenblockade und einer Müllsammelaktion in Warnemünde am Strand teilgenommen. „Viele verschließen gerne die Augen, aber auch Kleinteile, die am Strand liegen sind für die Natur schädlich. Letztlich ist es so: Wenn wir Fisch essen, essen wir alle Schadstoffe und Mikroplastik mit.“ Zukünftig möchte sie ihr Wissen nutzen und mehr aufklären durch Extinction Rebellion. Vorträge halten, Recherchen betreiben und Texte für den Onlinebereich schreiben. „Wir sind nicht radikal sondern eher die Nachbarn von nebenan. Aktuell arbeiten wir in Rostock an einer Informationskampagne zum Thema Klimawandel.“ In Valéries Leben soll es auch künftig engagiert weiter gehen. Ihr nächstes Ziel ist es ihren Master zu machen. Wenn sie es sich aussuchen kann, würde sie dazu nach Lund in Schweden gehen. So viel sei geschrieben: Die Bewerbung läuft.

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