Es geht weiter: Mit dem Zug nach Prag

Ich weiß nicht genau, wie ich das Gefühl beschreiben sollte, als ich aufwachte. Ich fühlte mich einfach nicht gut. Meine Augen waren trocken und hatten all ihre Flüssigkeit verloren. Mein Kopf war schwer und wummernd. Irgend etwas fehlte mir. Ich wusste nur nicht was. Noch auf dem kalten Boden liegend, sah ich mich um. Der Raum war dunkel, nur ein kleiner Spalt unter einer Tür ließ Licht in den Raum. Ich konnte mich kaum rühren und etwas drückte mir mit aller Macht auf die Brust. Ein schweres Gefühl, dass mir das Atmen nicht gerade einfach machte. Was sollte ich tun. Das Letzte, was noch im meinem benebelten Kopf zu hören war, war dieser Schrei, dieses Singen, dass mir die Sinne nur beim Gedanken daran gleich wieder vernebelte. Ich schlug erneut mit dem Kopf auf und Dunkelheit umgab mich.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, doch irgendwann öffnete ich meine Augen und mich umgab Licht. Ein helles Licht, das meine Augen schmerzen ließ. Sie waren noch immer trocken, so wie mein ganzer Körper es war. Ausgetrocknet von den letzten Minuten, Stunden oder gar Tagen? Ich wusste es nicht. Aber im Gegensatz zum letzten Mal konnte ich mich nun bewegen. Ich stützte mich ab und erhob langsam meinen Oberkörper. Je länger meine Augen geöffnet waren, desto besser konnte ich das Licht ertragen, dass irgendwann nicht mehr brannte. Ich nahm Konturen wahr. Einen Schrank, eine grüne Topfpflanze und ein Glas Wasser, das neben mir auf dem Boden stand. Wo war ich nur. Der ganze Raum war erleuchtet, man könnte sogar grell sagen, aber ich konnte keine Lichtquelle ausmachen. Weder ein Fenster, noch eine Kerze oder Lampe an der Decke. Ich zog meinen Körper zu dem Glas, meine Beine waren wie taub. Es schien, als ob meine untere Körperhälfte noch schlief, noch nicht die Kraft hatte mich zu halten. Aber ich hatte Durst. Meine Kehle war trocken, meine Augen brannten und selbst meine Haut fühlte sich spröde an. Also griff ich mit der Kraft, die ich hatte, nach dem Glas und konnte es kaum glauben. Da war nichts. Wie ein durch Hologramm griff ich hindurch. Während ich immer wieder versuchte das Glas zu packen, ertönte bei jedem Griff ein kleines Surren, so als würde ich eine elektrische Verbindung kappen. Nein. Nein. Nein. Das konnte nicht wahr sein. Ich griff erneut zu, doch bis auf das Surren, gab es keine Reaktion. Tränen schossen mir in die Augen, Panik machte sich in meinem Kopf breit und krampfte sich mit vollster Kraft um mein Herz. Was sollte ich nur tun. Es dauerte einige Zeit, doch ich beruhigte mich. Mein Atmen wurde wieder flacher, ich wischte mir mit dem Handrücken die salzigen Spuren vom Gesicht und setzte mich. Meine Beine waren noch immer taub. Mein Kopf aber wieder klar und hellwach. Ich blickte mich um. Ein Raum hell, doch ohne Licht. Ein Schrank, eine Topfpflanze und ein Glas Wasser, das keines war. Wo war ich? Mir war bewusst, dass die Alte aus dem Café eine tragende Rolle bei dem Szenario hatte. Ihre stumpfe Gestalt erschien mir vor Augen. Der Gesang klang mir in den Ohren und die Frau am Nachbartisch blitzte auf. Was hatte ich getan, dass ich auf einmal hier war. Womit hatte ich ihre Aufmerksamkeit erregt. Oder waren sie es vielleicht am Ende doch nicht?

„Können Sie sich hinstellen?“ Eine weiche Frauenstimme erklang, aber kein Körper. Ich war irritiert. Aus meinen Gedanken gerissen, versuchte ich die Tonquelle auszumachen. „Können Sie aufstehen“, wiederholte die gesichtslose Frauenstimme. Ich versuchte meine Beine zu bewegen. Erfolglos. „Nein. Wo sind sie? Wo bin ich? Was soll das hier?“ Es blieb stumm. Plötzlich öffnete sich die sonst öffnungslose Wand. Die Frau aus dem Café stand da. Nicht die Alte, sondern die mit den roten Haaren. Ihre Augen waren nun nicht mehr mit einer Brille verborgen, sondern sie schimmerten mich in einem unbeschreiblichen Smaragdgrün an. Sie lächelte, hielt ein Glas Wasser in der einen und ein Stück Brot in der anderen Hand. Sie stellte es dicht neben das Hologramm und verschwand wieder. Ich war wie erstarrt. Es dauerte einige Augenblicke bis ich mich gesammelt hatte. Was war hier los, was war mit mir los. Warum hatte ich sie nicht gefragt, was hier los war. Ich blickte auf das Stück Brot und das Wasser. In diesem Moment war es mir egal, ich wollte nur meinen Durst und meinen Hunger stillen. Wollte wieder zu Kräften kommen und danach versuchen mein Gefängnis aus weißem Licht zu verlassen. Ich packte nach dem Brot und schlang es im Wechsel mit dem Wasser herunter. Ich aß so schnell, dass ich kurzzeitig würgen musste, da mein Körper die Nahrung nicht so schnell aufnehmen konnte. Irgendwann hatte ich alles hinunter geschlungen und viel satt zurück auf den Boden. Ich hatte geschlungen, gar gefressen und nicht einen Tropfen oder ein Stück Brot zurück gelassen. Vielleicht hätte ich es mir doch eher einteilen sollen. Ich schlummerte ein.

Meine Augen schlugen auf. Wieder war ich woanders. In einem Hotelzimmer? In einem Hotelzimmer mit Blümchentapete. Ich blickte mich um, schaute an mir herunter und fand mich im Bett liegend vor, zugedeckt mit einer ebenfalls geblümten Decke. Ich bewegte mich, es ging alles ohne große Mühe. Mein Kopf schmerzte zwar noch etwas, aber ich konnte mich bewegen. Ich strampelte mich aus der Decke und sprang aus dem Bett. Ich schaute mich weiter um: ein ganz normales Zimmer. Ein Bett für eine Person, ein Schrank, ein Nachttisch und eine Tür, die, wie ich nach meiner Inspektion feststellte, ins eigene kleine Bad mit Dusche und Toilette führte. Es gab auch eine Tür, die es mir erlaubte das Zimmer zu verlassen. Ich griff nach dem Drücker und zog sie auf. Es ging. Mein Kopf wurde überflutet von Gefühlen, von Empfindungen, die Euphorie und Erleichterung schrien. Ich streckte meinen Kopf vorsichtig durch einen Spalt, schließlich wusste ich nicht, was auf der anderen Seite zu finden war. Ich blickte also hinaus: ein Flur. Nicht mehr und nicht weniger. Gegenüber öffnete sich eine Tür. Ich starrte sie an und den Mann, der sie öffnete. Er was groß, trug einen Bart und schaute mich etwas verwirrt an. „Ist bei ihnen alles in Ordnung?“ Ich merkte wie ich zu schwitzen begann und meine Wangen sich rot verfärbten. „Ähm“, war alles was ich heraus bekam, dann zog ich meinen Kopf zurück ins Zimmer, schlug die Tür zu, drehte mich um und rutschte mit meinem Rücken an ihr herunter. „Was zum Teufel geht hier vor?“

Der Anfang

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