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Die friedlichen Segler auf der Hanse Sail

Der Hafen war schon immer das Drehkreuz des Handels und Treffpunkt von Nationen. Heute wird in Rostock zwar mehr der Tourismus betrieben, aber auch dieser bringt Vielfalt und neues Leben in die Hansestadt. Unter der Fahne der Hanse wurde dies zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert weitaus größer aufgezogen, als wir es kennen. Das Team der Hanse Sail versucht diesen Gedanken wieder in die Köpfe der Menschen zu bringen. Sie möchten die Traditionen des fairen Handels zu neuem kraftvollen Leben erwecken und zur Verständigung der Völker beitragen. Aus diesem Grund kommen auch dieses Jahr Schiffe aus längst vergangenen Zeiten und fernen Ländern nach Rostock, werden den Hafen ansteuern und ein altes, aber vertrautes, Gefühl zurück an die Kai-Kanten vom Stadthafen und Warnemünde tragen. Am weitesten dafür gereist, ist das brasilianische Marineschiff „Cisne Branco“, welches sich gerade auf einem Europa-Turn befindet. Hinzu kommt die „Nordlys“, die zum ersten Mal die Hanse Sail ansteuert. Das Besondere des 1873 gebauten Kutters ist, dass er bis heute keinen motorisierten Antrieb besitzt. Das Frachtschiff wird seinen an Bord gelagerten französischen Wein allein mit Kraft der Fairtransport-Segel in die Stadt transportieren. Der Green-Transport-Segler möchte darauf aufmerksam machen, dass das was wir verbrauchen, meist auch weite Wege zurück legt und dadurch eine enorme Energiebilanz produziert. Fairtransport wird zusätzlich auf der Hanse Sail durch das Fairtrade Café auf den Hafenterrassen der Innenstadt unterstützt. Höhe des Restaurants „Carlo 615“ wird dann der Wein der „Nordlys“ zu fairen Preisen verkauft.

Insgesamt zwölf Nationen sind auf der Hanse Sail in Rostock und Warnemünde mit Seglern zu sehen.

Segelstadion: Wasserrutsche, Bootsrennen und Badeschlüpfer

Auch in 2017 werden sich neben den Großseglern kleine Sportboote zu Wettkämpfen einfinden. Im sogenannten „Segelstadion“ im Stadthafen (Bereich ehemalige Neptun-Werft) sollen über vier Tage leicht nachvollziehbare Wettkämpfe auf dem Wasser stattfinden. Vorteil der kleinen Boote ist, dass sie auch bei geringen Windstärken eine gute Fahrtkraft bringen. Neben den Rostockern wird auch die Partnerstadt Bremen mit aufs Wasser gehen. Hinzu kommt das Team der Segel Bundesliga, Segler aus Tschechien (hier heißt es sechzig Jahre Partnerschaft), Riga (Hauptstadt Lettland) wird ebenfalls vertreten sein, Gdansk (Danzig) und ein Team aus Rheinland-Pfalz (Nationales Partnerland 2017).

Wer allerdings gern selbst einen nassen Hintern haben möchte, sollte sich seinen Badeschlüpfer einpacken. Eine Abkühlung bietet eine der längsten Wasserrutschen der Welt Höhe der Neptun Werft. Möglichkeiten zum Umziehen und Tasche halten gibt es auch. Wer jetzt aber denkt: „Oh mein Gott, in die Warnow möchte ich aber nicht Plumpsen.“ Der sei an dieser Stelle beruhigt. Das Organisationsteam der Hanse Sail stellt zur Sicherheit Taucher zu Verfügung. Landen werdet ihr aber in der Warnow nicht. Gestoppt wird man nämlich von einer gummiähnlichen Bremswand.

Da waren sie wieder: Musik, Tanzen und Alkohol

Zur weiteren Unterhaltung sollte ein Blick auf die zahlreichen Bühnen geworfen werden. Unterhalter für Omas Hörgerät, Papas wippenden Fuß oder die Schleudermähne von Karlchen. Neun Bereiche spielen auf und präsentieren unter anderem die britische 1990er Jahre Boyband „East 17“ auf der Hanse Sail Bühne, die Rock, Pop, Punk-Poeten „Milliarden“ auf der Rostocker Bühne am M.A.U. – Club und maritimen Folk von „Virgin Sugar“ im Fairtrade Café.

Was das Feiern und Tanzen immer mitbringt, ist der steigende Konsum von Alkohol. In der heutigen Zeit – geprägt von terroristischen Anschlägen – wird eine Massenveranstaltung wie die Hanse Sail zudem anders betrachtet. Man stellt sich die Frage: „Wie sicher ist man eigentlich noch?“ Eine richtige Antwort gibt es darauf nicht. Das Team der Hanse Sail bereitet sich mit ihrem Sicherheitskonzept jedoch auf alle Eventualitäten vor. Von 2013 bis 2016 wurde an dem Konzept gearbeitet und 2016 das erste Mal umgesetzt.

Gemeinsam gegen Terrorismus und politische Konventionen

Die Hanse Sail ist unterm Strich ein Volksfest und zwölf Nationen werden ihre Flaggen hissen, um unter anderem Gemeinschaft zu demonstrieren. Unter ihnen drei politische Bildungsschiffe aus Russland: die „Kruzenshtern“, die „Sedov“ und die „Mir“. Man könnte sich in Bezug auf ihr Heimatland die Frage stellen, inwieweit die Crew-Mitglieder gemeinsame und friedliche Zusammenarbeit der Welt zeigen? Bereits im Jahr 2002 stellten die Seefahrer ihre Kooperationsbereitschaft unter Beweis. Nach dem 11. September 2001 und den tragischen Anschlägen in New York setzte die „Mir“ auf der Sail ein Zeichen. Der Bedeutung ihres Namens folgend, propagierte sie den Frieden und lud viele Menschen der unterschiedlichsten Nationen zu einem Turn auf See ein. Ihr damaliger Aufenthalt wurde um einen Tag verlängert, um dies möglich zu machen. Das durch das Hanse Sail Team angeschobene Projekt und die Umsetzung auf der „Mir“ symbolisierte Einheit und Menschlichkeit in der Welt. Sie stellten sich damals gemeinsam gegen den Terrorismus.

Und wenn man schon über große Taten spricht, sollte man auch auf das zivile Segelschulschiff aus Polen schauen. Die „Dar Mlodziezy“ war schon seit 1991 ein Traum des Hanse Sail Büros. Viele Jahre blieben ihre Bemühungen vergebens. Erst im Zuge des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm sollte sich dies ändern. UNICEF hatte die Idee 74 junge Leute aus aller Welt zu dem J8-Workshop in Wismar einzuladen. Und genau wie die Regierungschefs, sollten sie über bestehende Probleme diskutieren. Damals wurde die „Dar Mlodziezy“ gefragt, ob sie die Jugendlichen während dieser Zeit beherbergen würden und damit zeigen, dass letztlich alle Menschen im selben Boot sitzen würden. Ohne großes Zögern sagte das Schulschiff zu, denn „Dar Mlodziezy“ heißt nichts anderes als „Geschenk der Jugend“. Mit einem Augenzwinkern könnte man wohl sagen: „Sie haben ihren Auftrag erfüllt.“ Bis heute drückt das polnische Dreimastvollschiff seine Dankbarkeit durch ihren Besuch auf der Hanse Sail aus.

Nach der Sail, ist vor der Sail

Für 2018 steht in Rostock nicht nur die 28. Ausgabe des maritimen Tummelplatzes an. Rostock feiert auch 800. Geburtstag und vom 21. bis 24. Juni findet zudem der 38. internationale Hansetag in Rostock statt. Gefeiert werden soll genau das, was die Hanse Sail auch möchte: Fairer Handel, internationale Gemeinschaft und Frieden. Somit wird der Hansetag zum Vorboten für die Hanse Sail 2018. Und diese wäre, wie auch schon in diesem Jahr, ohne das Ehrenamt nicht möglich gewesen. Ein großes Team steht hinter der Veranstaltung und hält sich seit Jahren konstant. Davor sollte man seinen imaginären Hut ziehen. Aber Nachwuchs wird ja bekanntlich immer gesucht. Wer Lust haben sollte nächstes Jahr aktiv mitzuwirken, der kann sich ganz entspannt an das Hanse Sail Büro wenden oder an die zahlreichen Vereine, die auch in diesem Jahr kraftvoll mitgearbeitet haben.

Eine Empfehlung sei natürlich noch an alle ausgesprochen, bevor dieser Text endet: Versucht einen freien Platz auf den zahlreichen Seglern zu bekommen. Geht auf große Fahrt, entdeckt die Schönheit der See und werdet zum Muschelschubser im Herzen.

Mehr Informationen: http://www.hansesail.com

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Mit dem Zug nach Prag … Teil 1

Der Zug ratterte und als ich den Bahnhof von Berlin verließ, blieb ein Gefühl hinter mir, welches ich nicht fassen konnte. Die Sonne stand leuchtend über dem rot-weißen Eurocity Richtung Prag und beobachtete den Weg nach Südosten. Das ebene Land zog bald vorbei und von der Moderne der Großstadt blieb nur noch ein verschwommener Gedanke. Dörfer mit kleinen Häusern wechselten sich mit ebenen Flächen von Grün ab. Irgendwann klopfte ein freundlicher Mann vom Zugpersonal an die Kabine und schob die Tür mit einem Knarren auf. „Wollen Sie einen Kaffee oder Snack?“, fragte er. Der Mann mittleren Alters sprach gebrochenes Deutsch mit  tschechischen Akzent und lächelte mich freundlich an. Die Auswahl war dürftig und der Kaffee roch wässrig. Ich bat ihn um einen Schokoriegel und einen heißen Becher der dunklen Flüssigkeit. „Wohin wollen Sie?“, erkundigte er sich, während er Kaffee in einen Becher füllte. „Ich reise nach Prag und möchte mir die Stadt ansehen.“ Er schmunzelte, reichte mir den Kaffee und erwiderte: „Ja es gibt schöne Dinge in der Stadt zu erleben. Das Tanzende Haus, die Prager Burg und natürlich die vielen Parks.“ Ich nahm den Kaffee entgegen und schaute den Mann an. Sein Haar war dünn und seine Stirn besaß große Geheimratsecken, die seinen haarigen Brauen ausreichend Platz der Entfaltung boten. „Dann kennen Sie garantiert auch das Faust-Haus.“ Sein Kopf erhob sich und er umfasste eine goldene Kette mit Kreuz, die an seinem Hals hing. Er schaute mich an. „Sicher. Ein nettes barockes Gebäude. Man kann es gut von Außen betrachten.“, sagte er und reichte mir den Schokoriegel. Danach holte er sein Portemonnaie aus schwarzem Leder heraus. „3,50 Euro bitte.“ Das Thema war für Ihn erledigt. Ich kramte in meiner Tasche und sprach dabei: „Ich wollte es mir gerne von Innen ansehen. Man soll ja noch alchimistische Zeichen und Symbole in dem Haus finden. Meinen Sie man kommt da so einfach rein?“ Ich reichte ihm einen Zehn Euro Schein und schaute ihn fragend an. Ein Blick aus dem Fenster offenbarte nun graue Wolken, die immer dunkler wurden und die wärmende Sonne verdeckten. „Junges Fräulein, es gibt Dinge, denen man nicht folgen sollte. Schauen sie sich die schöne Stadt an.“ , schloss er, reichte mir mein Wechselgeld und schob seinen Wagen zum nächsten Abteil. Die Wolken waren mittlerweile dunkelgrau, von der Sonne kein Anzeichen. Ich nippte an meinem Kaffee und schmeckte eine bittere Säure, die mir heiß die Kehle herunter floss. Ich verzog mein Gesicht und im nächsten Moment erschrak ich. Am Himmel erschien ein Leuchten, gefolgt vom Grollen, welches die Geräusche des Zuges übertönten. Ich lehnte mich zurück, schaute wie der Regen folgte und seine Tropfen energisch an die Scheibe platschen. Sie nahmen mir die Sicht nach Draußen. Fast blind fuhr ich in die magische Stadt, gelegen an den wilden Wassern der Moldau.

Wir hatten die Grenze passiert und die Landschaft nahm eigentümliche Konturen an. Die Berge am Horizont beugten sich nach unten und verdunkelten die Täler an ihren Füßen. Ich schloss die Augen und öffnete sie erst kurz vor Prag wieder. Kurz bevor das eiserne Ungetüm stoppen sollte, erschien der Zugbegleiter nochmal an der Tür meines Abteils. Sein Gesicht hatte sich verändert. Es war viel blasser als zuvor und seine Augen schimmerten in einer Farbe, die mir das Blut gefrieren ließ. Er kam jedoch nicht herein, sondern blieb vor der verschlossenen Tür stehen und schaute mich nur an. Sein Mund war zu einer schmalen Linie verzogen und zeigte keine Farbe von Rot. Erst in diesem Moment viel mir auf, dass er seine Hand an die Scheibe gelegt hatte und ich auf seiner Innenfläche ein Zeichen erkannte. Es war schwarz, leicht geschwungen und zeigte auf der rechten Seite wie eine Pfeilspitze nach oben. Ich starrte sie an und war wie hypnotisiert. Mein Körper war starr und lediglich mein Atmen bewirkte, dass sich meine Brust hob und senkte. „Next Stop Praha!“, ertönte es über meinen Kopf, doch ich regte mich nicht. Alles schien unwichtig. „Next Stop Praha!“, wiederholte die blecherne Stimme in den Lautsprechern. In diesem Moment löste sich der Zugbegleiter aus seiner Erstarrung, seine Augen wurden klar und erschienen auf einmal von einem satten Grün. Er schüttelte leicht den Kopf, blickte mich an und stutzte. Ich blickte zurück, langsam bewegte auch ich mich wieder, konnte aber meine Verwirrung zunächst nicht in Worte fassen. Er zog die Tür auf, nickte mir freundlich zu und sagte in gebrochenem Deutsch: „Ich wünsche ihnen eine schöne Zeit in Praha. Genießen sie die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten.“ Ich erhob mich, während ich ihn anstarrte und nahm meine Tasche. „Was war das gerade?“, fragte ich immer noch verunsichert. „Was meinen Sie?“ „Das Zeichen auf ihrer Hand, ihr Blick, ihre Haut?“ „Ich weiß nicht was sie meinen?“, sagte er und zeigte mir zum Beweis seine Hände. Beide waren sie leer. Nichts war darauf zu erkennen, noch nicht einmal ein Kleks verwischte Farbe. Er schaute mich an und drehte sich dann von mir weg. Bevor ich reagieren konnte, stürmten bereits neue Passagiere in den Zug. Jetzt überlegte ich, ob ich wirklich dieses Eisenmonster verlassen sollte. Ohne weiter darüber nachzudenken, ergriff ich meine Tasche und ging zum Ausstieg. Ich trat die drei Stufen hinunter und setzte meine Füße nebeneinander auf dem Bahnsteig ab. Als ich mich umdrehte, schloss sich die Tür hinter mir. Ich hörte ein Pfeifen und blickte an den Anfang des Zuges. Eine Schaffnerin erhob ihre Kelle und Dampf stieg zwischen den Rädern des Zuges empor. Dann setzte sich das Ungetüm in Bewegung. Ich schaute ihm nach und sah in der letzten Fensterscheibe noch einmal die angsteinflößenden Augen aufblitzen.

Ich hatte den Zug noch in meinen Ohren und erinnerte mich, wie es sich anfühlte in ihm zu sitzen. Auf der Reise zu sein mit einem komischen Gefühl zwischen Magen und Kehle. Ich freute mich schon auf die Rückfahrt und spürte, wie es sein musste im Zug zurück nach Deutschland zu sitzen. Prag war jedoch für mich und andere Passagiere vorerst die Endstation. Der Punkt an dem wir uns entscheiden mussten. Entweder fürs Aussteigen und Bleiben oder für eine Rückfahrt ohne große Geschichte. Ich blieb. Zu lange hatte es gedauert um hier anzukommen. Zu oft stand ich in Berlin am Gleis und hatte überlegt, ob ich diese Fahrt machen sollte. Und auch wenn der Mann wie eine Warnung in meinem Kopf schwirrte, wollte ich nicht den Weg verlassen, den ich eingeschlagen hatte. Für den ich solange gebraucht hatte.

Ich griff meinen Koffer und Hunger machte sich im selben Moment in mir breit. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal etwas gegessen hatte. Als ich darüber nachdachte, krampfte mein Magen so stark, dass ich kurz inne halten musste und tief einatmete. Ich sah mich um, doch nichts war zu finden, was mir gefiel. Also machte ich mich auf den Weg den Bahnhof zu verlassen. Menschen strömten dabei an mir vorbei, der eine oder andere schubste mich. Sie eilten zu den Zügen oder kamen gerade an und schauten hektisch auf ihre Uhren. Es herrschte Unruhe, die mir nicht gefiel. Ich wollte hier weg. Also legte ich einen Schritt zu und es dauerte nicht lange bis ich frische Luft und etwas Grün erreichte. Mein Blick schweifte durch die Gegend. Etwas entfernt sah ich einen kleinen Laden mit drei Tischen davor. Lediglich eine Frau mit großem Schlapphut und einer Tasse Kaffee war als Gast auszumachen. Sie blätterte in einem Buch, doch schien sie es nicht wirklich zu lesen. Als ich das Lokal ansteuerte, blickte sie kurz auf. Ihre Augen waren jedoch verdeckt von einer fliegenartigen Brille. Ich musste an meine Mutter denken, die eine ähnliche getragen hatte, als ich noch klein war. Ich setzte mich an einen Tisch neben sie und nickte ihr freundlich zu. Ich konnte sehen, wie sich eine Augenbraue hinter der Brille hob. Dann wand sie sich ab und blätterte auf fast andächtige Weise in ihrem Buch. Ihre Haare waren lang und von einem intensiven Rot, wie ich es vorher nur bei Iren oder Skandinaviern gesehen hatte. Sie wellten sich und quollen unter ihrem Hut hervor. Sie wirkten fast wie ein Mantel, der sie bedeckte. Bevor ich mich weiter auf sie konzentrieren konnte, stand eine dickliche, etwas herunter gekommene Frau neben mir und schnaufte mich ungeduldig an. Sie hielt eine Karte in den Händen. Ihre Haare waren zu einem wirren Knoten gebunden und einzelnen Strähnen vielen ihr ins Gesicht.

„Du bist deutsch oder?“, fragte sie und ihr abfälliger Ton zog sich wie kleine Eisenstachel über meinen Rücken. Ich nickte nur. „Das sieht man sofort. Was willst du?“ Ich blickte kurz in die Karte und entschied mich für ein Brot mit Ei und einen Kaffee. Ich bemerkte wie mich die Frau mit Hut anstarrte. Diesmal ohne Brille. Ihre Augen waren von einem durchdringenden Grau und sie musterte mich. Sie bewegte ihren Blick von meinen Schuhen bis hoch zu meinem Gesicht, an dem sie dann hängen blieb und mir in die Augen schaute. Alles um mich herum wurde leicht verschwommen und ich nahm nur noch sie wahr. Sie öffnete den Mund und vergammelte Zähne wie Stümpfe erschienen in diesem sonst so makellosen Gesicht. Doch dieses Unheil war nicht mehr zu erkennen, als ihr ein Klang entfuhr, der durch die Luft in meine Richtung getragen wurde. Wie ein leises Flüstern, dass mich einlullte. Ich sah wie ihre Augen ganz sanft und groß wurden, wir ihre Haut leicht glühte und sie ihren Arm nach mir ausstreckte, kurz bevor sie mich mit ihrem Gesang, sofern man es so deuten konnte, in einen angenehmen Schlaf zu betten schien.

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Hundreds: weg vom SuperPopApproach

Der Artikel erschien in der November Ausgabe des 0381-Magazins von 2016

Die Geschwister Eva und Philipp Milner sind in Rostock kein unbekanntes Blatt. Es gehört zum guten Ton alle zwei Jahre auf die Konzerte von Hundreds zu gehen und den Hamburgern bei ihrer musikalischen Reise auf die Finger zu schauen. Am 4. November veröffentlichen sie nach ihrem Werk „Tame the Noise“ ihren neuen Longplayer „Wilderness“ und stoßen damit ihre Hörer weg aus dem „0815-Popschema“. Am 5. November treten sie zudem im Peter-Weiss-Haus in Rostock auf.

Ihr ward das letzte Mal 2014 in Rostock und habt Eure „Tame The Noise“ Tour gespielt. Was habt ihr seitdem getrieben?
Eva:
Im Frühjahr letzten Jahres bauten wir im Haus von Philipp ein eigenes Studio auf, dies liegt im Wendland (Niedersachsen) und dort sind wir direkt hin. Es ist kein Studio im klassischen Sinne, mit Wand und Glasscheibe, sondern einfach ein schöner großer Raum, in dem wir arbeiten und proben können. Letzten August verschickten wir dann erst die 500 „Tame the Noise“ Platten und fingen währenddessen an, die ersten Songs zu schreiben. War im Prinzip ein fließender Übergang. Wir überlegten, wo wir musikalisch hin wollten und beschlossen uns zu verändern und Kunst zu machen. Wir fingen mit massiven Beats an und Melodien, die wahrscheinlich nicht jedem so leicht ins Ohr gehen. Wir wollten unseren eigen Anspruch erfüllen und uns etwas trauen. Die klassischen Popstrukturen haben wir weggeschoben und Songs geschaffen, welche genau diese aufbrechen. „What Remains“ und „Wilderness“ stehen dafür ein.

Wer das Album das erste Mal hört und die Musik von Hundreds kennt, wird verwirrt sein. Doch ich kann versprechen im positiven Sinne. Catchy Melodien treffen auf die neue Wildheit und schlagen eine Brücke zu ihren leichtfüßigen Popsongs. Schocker wie „Unfolded“ lassen zunächst die Handschrift der Musiker nicht erkennen, doch packen einen sofort. Mit „Wilderness“ trifft die altgriechische Tragödie, welche im „Bearer and Dancer“ thematisiert wird, auf die philosophische Frage des menschlichen Handels. Hundreds erfinden sich neu und bleiben doch sie selbst.

Als Vorabteaser zu „Wilderness“ erschien im Mai der Song „What Remains“. Ich würde fast behaupten, er vereint das gesamte Album in sich?!
Eva:
Ja, doch das stimmt schon. Ich habe immer meine eigene Welt betextet und bin nun vom persönlichen zu anderen Themen gegangen. Somit kann man sagen, dass „What Remains“ das Album thematisch widerspiegelt. Es geht letztlich darum, welchen Weg die Menschheit beschreiten wird. Was passiert gerade? Was machen wir? Das habe ich versucht ein bisschen philosophisch zu verarbeiten. Und „What Remains“ ist der erste Gedanke, welcher das zum Ausdruck bringt.

2014 spielten die Geschwister in der Heiligen-Geist-Kirche in Rostock. Davor waren sie schon 2010 auf der Stubnitz (als sie noch im Stadthafen lag) und feierten ihre musikalischen Anfänge. Ihre Konzerte sind stets etwas Besonderes und werden durch visuellen Lichteffekte unterstützt, welche mit der Musik treiben und sie zugleich anschieben.

Am 5.11. tretet ihr im Peter-Weiss-Haus auf, warum nehmt ihr im Vergleich zu früher, eine doch eher „normale“ Location?
Eva:
Wir haben da schon mal gespielt und einfach an die vielen Menschen gedacht. Die Produktionsbedingungen sind auch ein bisschen größer mit Licht und Visuals und benötigen eine hohe Decke. Es soll zudem Clubatmosphäre herrschen, weil es insgesamt tanzbarer wird. Wer unser, ich sag mal, „Techno Set“ kennt, für den verändert sich aber nicht so viel. Wir haben natürlich ein paar neue Instrumente, Effekte und einen guten Lichtmann dabei, der die Show steuert, aber soviel ist nicht anders. „Tame the Noise“ war ein Akustik Set und hat besser in die Kirche gepasst. „Wilderness“ findet sein Platz nun im Peter-Weiss-Haus.

Hundreds, eine Band die musikalisch auf Anspruch und Tiefgang setzt und sich mit jedem Konzert neu definiert. Ihr Musik liegt aktuell irgendwo zwischen elektronischen Beats, skurrilen Effekten und poppigen Melodien. Eine Tanzempfehlung für jeden Liebhaber gepflegter Unterhaltungsabende.

Antje Benda

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ZierArt: Kunstkollektiv, Leben und Aufgabe

René Zynda ist Anfang 30 und hat seinen Weg gefunden. Gefunden über eine Metalldose die durch Treibgas Farbe an Wände bringen kann und so eine andere Art von neuen und vergänglichen Hieroglyphen hinterlässt. Zerstäuber von Gedanken eines jungen Künstlers in Rostock, der seinen Weg selbständig und Facettenreich gehen möchte und dies im Kollektiv ZierArt.

1998 war nicht nur das Jahr in dem der Bundestag den Lauschangriff genehmigte, Hybrid Theory (heute bekannt unter Linkin Park) gegründet wurde, sondern auch die Geburtsstunde der kreativen Schaffenskraft von René Zynda aka Zetti auf dem Plan stand. Damals nahm er das erste Mal eine Sprühdose in die Hand und verfasste ein Graffiti mit herausragender Ausdruckskraft. Der schlichte Schriftzug SOCO sollte sein und das Leben von uns allen dauerhaft verändern.

Seine Leidenschaft wurde gepackt und führte ihn zu unzähligen Projekten mit Graffiti und Airbrush.

„Ich habe angefangen rumzukritzeln um mich an Wänden mit Farbe auszuprobieren“,

sinnierte René fröhlich, während er an die Zeit zurück denkt, als er 2002 sein Projekt ZierArt gründete. Wie sein erstes Werk damals aussah, wird den meisten von uns auf ewig verwehrt bleiben, über seine Kunst heute kann man folgendes sagen: Bilder die graue Wände verdecken, den Skater der 90er aus unserem Inneren herauf beschwören und gleichzeitig uns mit der Kogge in alte Hansezeiten von Rostock katapultieren.

Profil@Ren+®-Zynda„Ich verzichte halt größtenteils auf Cuttings und mache meine Effekte und Highlights lieber mit Airbrush“, sagt er selbst über die Schattierungen seiner Arbeit. Sein Stil ist eigen und wirkt auf mich düster, trotzdem belebend und frisch. Ein Sprung zwischen den Emotionen und farblichen Welten, welche unser Geist aufnehmen kann. Früh schien ihm bewusst, dass ihn sein Weg in die Farben des Regenbogens und die Wände unserer Stadt tragen würden. Der in Rostock und Ribnitz aufgewachsene Zetti entschloss 2006 endgültig in unsere Hansestadt zu ziehen und sein Kunstprojekt ZierArt weiter nach vorne zu treiben. Mittlerweile schreibt es mehr als 15 Lenze, bringt Logos auf Wände, arbeitet Wohnmobile auf oder schafft mit anderen Künstlern neue Welten, kurz es ist zu einem Kollektiv heran gewachsen.

“Ich habe viel alleine gemacht, aber in den letzten Jahren auch mehr mit anderen. Das Spektrum ist dadurch angewachsen und man kann mehr ausprobieren und anbieten.“

Eine Tatsache die Zetti das Leben leichter macht und er so neue Wege gehen kann. Eine von seinen Mitstreitern ist Valeria Reinders oder sinnlich Valevio genannt, welche zwar nicht aus unserer schönen Stadt kommt, aber mit Zetti eine großartige Symbiose schafft. Ihr letztes gemeinsames Werk findet man in der Frieda 23 im Flur, der die Stockwerke vom Institut für neue Medien mit der Kunstschule und Radio LOHRO verbindet und das nicht ohne Grund. Vor etwa drei Jahren hat sich Zetti entschlossen, sich und sein Projekt zu professionalisieren und mehr Facetten in seine Arbeit aufzunehmen. Eine größere Vielfalt an den Tag zu legen und die kalten Wintermonate lieber mit Flyergestaltung zu überbrücken, ein Plakat zu gestalten oder in einer Textildruckerei seine Fähigkeiten an den Tag zu legen. Doch wie es unserer schönen bürokratischen Welt ist, ist es meist einfacher das Ganze über einen schulischen Weg zu erlernen und am Ende ein kleines Stück Papier in Händen zu halten, welches uns mehr Sicherheit gibt. In seinem Fall ausgestellt von der IHK Rostock vermutlich am 31. August 2016 mit dem großartigen Titel: „Herr Mediengestalter René Zynda“.

workshop@Ren+®-ZyndaDem Kopf hinter ZierArt ist mehr als bewusst, dass ein Leben in der Kunstszene nicht einfach ist. Als Wandgestalter sind die Sommermonate meist voll von Arbeit und der Winter so wie das Wetter selbst: trist und kalt. Doch keine Sorge um den jungen Mann, schon seit einiger Zeit ist in seinen Hirnwindungen klar nachzulesen, dass er flexibel sein muss, nicht mehr so weit nach vorne schaut und seine Gedanken nicht allzu lang um das Schlechte kreisen lassen sollte. Es gibt für ihn immer Arbeit, ob als Wandgestalter im Juli oder digitaler Effektehascher im Dezember. Neben dem ständigen eigenen lernen und ausprobieren, ist es ihm eine Freude, wenn er zusammen mit Kindern und Jugendlichen Wände gestalten kann. Ihnen zeigt, wie man eine Sprühdose halten muss und sein erstes eigenes Graffiti an die Mauer sprayen kann. In den Sommerferien soll es wieder soweit sein und er wird gemeinsam mit Valeria einen Workshop im Jugendclub Pablo Neruda (SBZ Toitenwinkel) anleiten und mit den Kids vor Ort dem Jugendclub frisches Leben einhauchen. Bevor es jedoch soweit ist, heißt es dem Sprühdosenmann Zetti für seine Prüfungen und sein Praktikum die Daumen zu drücken und ehrenvollen Applaus zu spenden, wenn er seinen Abschluss hat. Danach soll es weiter gehen: die Homepage von ZierArt – Kollektiv MV wird aufgemöbelt, neue Aufträge werden angenommen und die Fassaden unserer Stadt wieder etwas bunter gestaltet.

Wer solange nicht warten will, setzt sich ins Treppenhaus der Frieda 23 und schaut sich den dicken Wal von ZierArt an. Im Idealfall mit passender Musik von Bristol mit dem Song „Mad about You“. In meinen Gedanken gibt es keinen Pinselstrich ohne die richtige Note. 

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Kraftklub: Mit Spielraum nach oben

Mittlerweile kennt sie wohl jeder, der ab und an die aktuelle Musiklandschaft verfolgt. Kraftklub aus Chemnitz. Fünf Jungs, die irgendwie hip sind und es so richtig nicht wollen. Sie nehmen sich, ihre Fans und eigentlich alles mit ihren ironischen Texten auf die Schippe und landeten erneut mit ihrem zweiten Album „In Schwarz“ auf Platz eins der Albumcharts.

Wenn man sich Felix, Karl, Steffen, Till und Max in ihren Videos, auf ihren Konzerten oder ihren Klamotten anschaut, sehen sie wohl nicht anders aus, als andere Kerle in ihrem Alter. Insgesamt weisen sie aber den großen Unterschied der Popularität in ganz Deutschland auf und sind trotz allem ziemlich normal in ihrem Auftreten. So ist es kaum verwunderlich, dass Steffen – Gitarrist der Band – während unseres Telefonats an einer Zigarette zieht und ab und an genauso sympathisch „rumsabbelt“ wie jeder andere Typ.

Kraftklub_2_VertigoCapital_ChristophVoy0381-Magazin: Du bist Musiker und eine Frage die mich stets interessiert ist, wie man, beziehungsweise du, eigentlich zur Musik gekommen bist?
Steffen: Ich habe damals schon viel Musik gehört. Meine erste CD war von The Bates, das war so 90er Rotz. Mein Onkel hat uns Musik von den Scorpions mitgebracht und halt mein Bruder. Ich war damals in dem Alter, wo ich alles gemacht habe, was mein großer Bruder tat. Der hat sich für die Punkmusik entschieden und die fand ich irgendwie auch ganz cool. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ich wollte eigentlich lieber Schlagzeug spielen lernen, da wir aber in einem Mietshaus wohnten, ging das nicht so richtig. Bevor ich jedoch nichts machte, entschied ich mich halt für die E-Gitarre. Ich habe dann viel für mich gespielt und wollte irgendwann natürlich auch mit anderen Leuten proben. Im Atomino, einem Klub in Chemnitz, lernte ich irgendwann Karl und Max kennen, die schon eine eigene kleine Band mit Till hatten. Gemeinsam sind wir in Maxs Keller zum Jammen gegangen, woraus sich Neon Blocks entwickelte. Wir spielten über ein zwei Jahre auch ein paar Konzerte und irgendwann fragte Felix, der damals schon gerappt hatte, ob wir nicht beide Projekte – seinen Rap und unsere Band – fusionieren lassen wollen. Daraus ist dann Kraftklub mehr oder weniger entstanden.

0381-Magazin: Euer zweites Album „In Schwarz“ ist wie auch euer Erstling „Mit K“ auf Platz eins der Albumcharts gelandet. Standet ihr bei der Produktion in großem Zugzwang gleiches zu erreichen? Und was denkst du, warum gehen die Leute so auf Euch ab?
Steffen: Wir haben uns Anfangs keinen Druck gemacht und beherrschen auf dem zweiten Album auch unsere Instrumente besser. Erst als es fertig war, kam der Stress. Letztlich ist es schön, dass die Leute einen hören wollen. Was auch daran liegt, dass wir uns einfach viel live erspielt haben. Es ging ja auch ziemlich schnell nach dem ersten Album. Wir hatten damals schon einen Andrang, den normalerweise Bands mit drei vier Alben haben. Wir haben noch etwas Spielraum nach oben, da man sich an uns noch nicht satt gehört hat.

0381-Magazin: Mittlerweile kommt ja auch gerne der Satz: „Hört sich an wie Kraftklub…“. Ist das ein gutes Gefühl? Und wie geht ihr damit um, dass sogar Heino „Song für Liam“ gecovert hat?
Steffen: Das ist schon eine Ehre, wir klauen ja auch bei Bands, die wir toll finden und klar ist das super ein Vorbild für andere zu sein. Man freut sich darüber. Bei Heino war hingegen deutlich, dass es wenig um Verehrung geht. Der wollte nur einen Song covern, der aktuell ist und mit dem er eine andere Zielgruppe erreicht. Wenn man den fragt, ob er den gecovert hat, weiß der das garantiert gar nicht mehr. Die waren auch so freundlich und haben gefragt, ob sie dürfen. Wir haben Nein gesagt. Aber rechtlich ist es so, wenn Text und Melodie bleiben und Songs eins zu eins nachgespielt werden, kann er es ohne unsere Erlaubnis machen. Er hat zwar keine Urheberrechte daran, ist aber auf der sicheren Seite. Wir haben uns nicht groß darüber geärgert, wäre ja nur zusätzliche Aufmerksamkeit gewesen.

0381-Magazin: In eurem aktuellen Album verarbeitet ihr nach eigener Aussage in mehreren Interviews, die letzten zwei Jahre. Aktuell findet man die Single „Schüsse in die Luft“ zu der es auch ein One-Take Video gibt. Was ist der thematische Hintergrund dazu?
Steffen: „Schüsse in die Luft“ ist keine wirkliche Singleveröffentlichung, sondern wir wollten dem Song nur ein Video geben. Wir haben es dann in Eigenregie gedreht. Felix hat den Text geschrieben und es ist, glaub ich auch, sein Lieblingstitel auf der CD. Er greift mit ihm Missstände in den verschiedenen Generationen auf, eine Thematik mit der er sich schon länger beschäftigt hat. Er wollte damit auch keinen moralischen Zeigefinger erheben, sondern nur Aufmerksamkeit erreichen und zeigen, dass die meisten nicht wirklich was verändern, sondern einfach irgendwie mitmachen. Es ist allerdings immer schwierig über einen Text zu sprechen, denn man nicht selbst geschrieben hat.

Kraftklub_3_VertigoCapital_ChristophVoy

0381-Magazin: Wenn du sagst „auf Missstände aufmerksam machen“, stellt sich mir die Frage, ob ihr euch selbst auch für politische oder soziale Themen engagiert?
Steffen: Wir haben schon mal als Band auf einer Anti-Nazi-Demo in Chemnitz gespielt und gehen aktuell auch auf Gegen-Demos, aber als Kraftklub eher weniger, sondern privat. Unser Beitrag war halt dieser Song und wir sehen uns nicht in der Position anders zu agieren. Ein schönes Beispiel dafür ist der Sampler „Kein Bock auf Nazis“, für den wir den Titel „Song für Liam“ zusammen mit Casper beigesteuert haben.

0381-Magazin: Eure Tour startet am 17. Februar in Graz und wird am 13. März in Rostock halt machen, wie laufen denn die Vorbereitungen so?
Steffen: Vor der „In Schwarz“ Tour, wie allgemein vor einer Tour, proben wir täglich. Fangen um elf an, gehen Mittag essen und proben weiter. Es ist Schade, dass es nicht mehr wie früher ist. Da sind wir zur späterer Zeit in Proberaum, haben Bier getrunken und gejammt. Jetzt hat man halt abends mehr Zeit, ist auch ganz nett und halt ein richtiger Job. Nach Chemnitz wird dann nochmal in Berlin in einem größeren Objekt mit dem Equipment etc. geprobt.

0381-Magazin: Mit Universal Music (mit Sitz in Berlin) habt ihr ein ziemlich großes Label hinter euch, was manche Musiker ablehnen würden. Warum ihr nicht?
Steffen: Wir hatten nie Probleme uns auf einen Major Deal einzulassen. Wir wollten das am Anfang und es hätte auch irgendwo uns etwas gefehlt, alles selbst zu machen. Wir wissen wie das Geschäft funktioniert und uns ist bewusst, dass wenn es irgendwann nicht mehr gut läuft, sind die von der Plattenfirma auch nicht mehr deine Freunde. Aber wir hatten bis dato keine Probleme und sie haben uns auch beim Album einfach machen lassen. Wir sind da sehr entspannt. Landstreicher Booking kümmert sich dann um die Konzerte, von Universal sehen wir eher selten jemanden.

0381-Magazin: Neben eurer CD-Veröffentlichungen, Videodreh und zahlreichen Konzerten, habt ihr auch das Kosmonaut Festival in Chemnitz auf die Beine gestellt. Wie kommt man als Band mit einem vollem Terminplan darauf, ein eigenes Festival zu veranstalten?
Steffen: Wir haben selbst auf vielen gespielt und die Idee dahinter gefällt uns. Viele Bands und mit Kumpels zelten. Bei uns gab es keins mehr und so haben wir unser eigenes gemacht.

Lassen wir es so im Raum stehen, freuen uns auf das Konzert in der Stadthalle am 13. März und ziehen den Schluss: Kraftklub wirkt bodenständig, engagiert und scheint voller Ideen zu stecken.

Antje Benda

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Tanja Zimmermann – Die weibliche Leichtigkeit des Seins

Du bist 0381

Tanja Zimmermann – Die weibliche Leichtigkeit des Seins

Feb 15

Tanja Zimmermann stellt aktuell in der Kunsthalle aus und bezaubert die Besucher durch Experimentierfreudigkeit und ein fröhliches Schwirren ihrer Werke. Sie schafft es, den Forscher und Entdecker in uns zu wecken und die Welt der Kunst wieder mit der Leichtigkeit eines Kindes wahr zu nehmen.

Der Raum ist hell und besitzt große Fenster, Bilder liegen auf dem Boden, an die Wände gestützt oder gestapelt auf dem Tisch. Blaue und rote Farben durchlaufen die Pupille und werden warm auf die Netzhaut geworfen. Das Atelier von Tanja Zimmermann liegt in der Frieda 23 und zu einem größeren Teil bei sich zu Hause. Ihre Malerei ist hell und freundlich. „I turn and the tree turns with me“ heißt ihre aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle und beschreibt vom 10. Januar bis 15. Februar im Grafikkabinet auf interessante Weise ihre Werke. Ganze Schriftreihen hat sie auf die Wände gedruckt und im Laufe von drei Jahren mehr Material als nötig für die Räumlickeit geschaffen. Namensgebend war eine Zeile aus dem Gedicht „The man in the tree“ von Mark Strand. Der Baum als Symbol für das ländliche Leben, in welchem sich die Malerin befindet und die Kompensation oder auch der „turn“ durch Künstlerreisen nach Gotland, Virginia oder Island. Immer darauf bedacht, dass sich ihre Familie und Freunde mit ihr drehen.

Sie bringt Leichtigkeit und eine feminine Sicht in die Kunst. Das Gefühl immer in Bewegung zu sein, das Schwirren des Lebens mitzunehmen und auf ihre eigenen Bilder zu übertragen. Mit dem Malen hat sie früh angefangen, nicht zuletzt durch ihren Vater der 1969 die Kunsthalle gründete und das ein oder andere Mal die Kontorbücher ihrer Großvaters mit ihr zusammen vollmalte. Eine aufregende Welt, welche durch den Geruch von Farbe dominiert wurde und ihr zeigte, wie Kunstwerke, u.a. von dem Bildhauer Joachim Jastram, entstanden. Das Handwerk lernte sie, genauso wie ihr Mann Holger Stark bei Waldemar Krämer im Zeichenunterricht. Eine Zeit die geprägt war durch die Geborgenheit der Familie und den Begegnungen mit skandinavischen und westdeutschen Künstlern, welche mit ihrem Vater arbeiteten. Eine für Tanja Zimmermann sehr spannende Phase ihres Lebens in einer doch abgeschirmten Umgebung.

Der Drang Rostock zu verlassen und auf eigenen Beinen zu stehen war nach dem Abitur größer als zuvor und zog sie nach Dresden, um dort zu studieren. Im dritten oder vierten Studienjahr befreite sie sich vom Druck der Hochschule und verfiel in einen kreativen Schaffensrausch, beeinflusst durch die archaische Kunst und die Expressionisten (Brücke Künstler in Dresden). Vieles war damals verkrustet und unlebendig und führte dazu, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann Ausstellungen in ihren eigenen Wohnungen oder Performance machten, um diesen Kreis zu durchbrechen. Ohne die Rolle der Anführerin zu spielen. Sie sah sich eher in der Verkörperung der kreativen und lebendigen Aktivistin, die stetig mitmischte.

Nach ihrem Studium 1987 ging sie nach Wangelin und blieb ein Jahr, bevor es die Malerin zurück nach Dresden zog und Meisterschülerin bei Johannes Heisig wurde. Zwei Jahre druckte sie Lithographien und erstellte die Mappe zu Texten des Lyrikers Bert Papenfuß „Arianrhod von der Überdosis“. Gemeinsam behandelten sie damals die aktuelle Wendesituation auf eine spontane, anarchische und umtriebige Art und Weise. Nach der Wende ging ihr Mann nach London und sie machte sich auf Berlin zu erobern. Beworben auf das Kunstprojekt „Goldrausch“, wirkte sie schon bald mit Künstlerinnen der Szene zusammen. Tanja Zimmermann war damals die einzige aus der ehemaligen DDR, welche zudem einen ganz anderen Kunstbegriff vermittelt bekommen hatte. Gemeinsam lernten sie über eineinhalb Jahre wie man seine  Arbeit als Künstlerin professionell angeht, wie man Netzwerke knüpft und mit Galerien arbeitet.  Durch ihr zeitgleiches Schaffen in der Keramikwerkstatt von Wilfriede  Maas, gelangte Tanja Zimmermann  an ein Atelier in Pankow, welches ihr viel Platz und  eine tolle Nachbarschaft mit anderen Künstlern verschaffte
Zehn Jahre war die Künstlerin in Berlin und wollte eigentlich gar nicht weg. Gemeinsam ist sie mit ihrem Mann Holger und Sohn Jakob zurück nach Mecklenburg gezogen. Sie liebt die Natur und die Sommer in unserer Region und möchte sie auch nicht missen, doch wird die Zerrissenheit zwischen den städtischen und ländlichen Gepflogenheiten, die kreative Frau wohl nie ganz los lassen. Sie selbst sagt, dass sie eine Stadtpflanze wäre, welche mittlerweile in Rostock andocken konnte. Sie arbeitet als Malerin und Dozentin und wird hoffentlich durch ihre Kunst den Forscher im Betrachter immer aufs Neue wecken.

ANTJE BENDA

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Ostern im Zeichen elektronischer Musik

Das “Kommt Zusammen Festival” fand vom 17. bis 21. April in Rostock statt. Unsere Redakteurin Antje Benda und Videoredakteur Dirk Kurrat (www.dasvideomobil.de) waren dabei und haben sich umgeschaut.

Beitrag vom 15. April 2014 – http://www.alles-mv.de

In den meisten Fällen gibt es zu Ostern bunte Eier, einen Schokoladenhasen und fulminantes Essen zur Mittagszeit. Hat man dann noch richtig Glück, wird einem der Tag mit einem warmen Osterfeuer versüßt. In Rostock wird das etwas erweitert! Zu den Osterfeiertagen wird zum mittlerweile zehnten Mal das “Kommt Zusammen Festival” gefeiert.

– Von Antje Benda –

Daniel Nitsch ist eines der Gesichter, welches hinter dem lokalen Musik- und Kultur-Festival steht. Aufgabenmäßig verteilt ist ihm die Rolle des Pressesprechers zugefallen und somit ist er meist auch direkter Knotenpunkt für die Außenwelt. Begonnen hat das ganze vor zehn Jahren im Rostocker Studentenkeller, um nur eine Party zu veranstalten und Freunde musikalisch zusammen zu bringen. Diese Party kam letztlich so gut an, dass sie sogar wegen Überfüllung abgebrochen werden musste. Der Weg führte sie dann weiter über die Stubnitz, hin zur Kooperation mit dem Mau Club, immer mit dem Gedanken zur „offenen Feier“, so erzählt er. Letztlich entstand daraus irgendwann das „Kommt Zusammen Festival“. Nostalgie macht sich ein bisschen breit, während Daniel weiter sinniert. „Zehn Jahre `Kommt Zusammen` sind auch eine lange Geschichte“, erzählt er amüsiert, während wir gemeinsam in einer kleinen Aufnahmekabine sitzen, um das Interview mitzuschneiden.

Daniel Nitsch – Pressegesicht des "Kommt Zusammen Festivals" - Foto: Antje Benda

Mittlerweile hat sich das Festival zu einer fünftägigen Veranstaltung gemausert und bietet weitaus mehr an als nur Musik in den Klubs der Stadt. „Wir träumen sogar davon, irgendwann mal eine Musikwoche zu veranstalten“, gibt er prophetisch wieder und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. “Wir wollten Kultur einbauen und 2011 haben wir uns dann auch getraut”, so Daniel, der mir von den unzähligen Workshops auf dem Festival erzählt. Diese werden Karfreitag und Samstag tagsüber in unterschiedlichen kulturellen Werkstätten stattfinden. “Sie teilen sich in vier Themenblöcke: Audio, Kunst, Gesellschaft und alternativer Sport.” (welche man übrigens über folgenden Link erreicht http://www.kommtzusammen-festival.de/19-04/ )

Begleitend zu unserer Unterhaltung blättere ich in der Pressemitteilung und finde einen Vermerk zur Lesung von MC Rene, einem deutsch-marokkanischen Rapper und Stand-up-Comedian. Dieser wird am Freitag eine Lesung im Li.Wu (Frieda 23) aus seinem Buch “MC Rene. Alles auf eine Karte: Wir sehen uns im Zug” bestreiten. Auf die Nachfrage zur Auswahl des Braunschweigers, berichtet mir Daniel freudig, dass er ein Held ihrer Jugend war. Seine Augen legen sich in Fältchen, während er erzählt und schildert, wie sie damals seine musikalische Karriere in den 90ern und Anfang 2000 verfolgten. “Er war irgendwann verschwunden und tauchte vor einiger Zeit mit seinem Projekt mit der Bahncard 100 quer durch Deutschland („Alles auf eine Karte“, Anm. d. Red.) wieder auf, das wurde dann auch vom Fernsehen begleitet. Wir haben ihn dann einfach gefragt, ob er kommen würde und das Buch zur Zugfahrt vorlesen würde und er hat sofort ja gesagt.” MC Rene ist allerdings nicht das alleinige Highlight. Es wird ebenfalls wieder den Mitternachtsflohmarkt am Gründonnerstag im Peter Weiß Haus geben. Man könnte fast sagen, dass das „Kommt Zusammen“ eine Brücke zwischen elektronischer Musik und kulturellem Inhalt schlägt und dies nicht zuletzt durch das Mitternachtskino im Li.wu (Frieda 23), welches drei musikalische Filme zeigt (The Micronaut, We Are Modeselektor und Kvadrat) und so den Festivalteilnehmern die Welt der elektronischen Musik ein wenig visualisiert. Wer jetzt allerdings denkt, mehr geht nicht, sollte sich das Programm der Veranstaltung genau anschauen und wird unter Garantie noch die eine oder andere Perle für sich entdecken. Alle Informationen gibt es hier. Kurz bevor wir jedoch unsere Unterhaltung beenden, gibt Daniel noch einen drauf und lässt stolz verlauten, dass sie jetzt auch nach Hamburg expandieren werden. In der Nacht zum 1. Mai werden sie in St. Pauli im Medienbunker das erste kleine „Kommt Zusammen“ im Außeneinsatz veranstalten. Was sie dort erwartet? Sie sind selbst gespannt.

Kommt Zusammen Banner_620

Anmerkung der Autorin:
Während ich diesen Artikel schrieb, hörte ich Kris Wadsworth LIVE@SZIGET FESTIVAL (VÖ: 08/2013)

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MINNETRONICS – EIN SPARTENÜBERGREIFENDER ABEND

JAN 2015 – 0381-Magazin

Am Volkstheater ist etwas Neues und Seltenes entstanden. Ein Ensemble aus Schauspielern, Tänzern und Musikern unter der Regie von Amina Gusner hat sich zusammengefunden und das mittelalterliche Rostocker Liederbuch modern auf die Bühne gebracht.

Ein Wummern geht durch den Saal, monotone Beats treffen auf mittelalterlichen Gesang. Ein Stöhnen erfüllt den Raum und futuristisches Flackern belebt das Auge des Zuschauer. Die Musik treibt, drückt und fordert jede Aufmerksamkeit. Sie regt die Phantasie an, dem Schauspiel vor einem zu folgen und die Akteure keinen Moment aus den Augen zu lassen.

Wir sind im Großen Haus des Volkstheaters und vor uns wird die Bühne vom spartenübergreifenden Stück „Minnetronics – Der Ritter und die Stripperin“ erfüllt. Minne trifft Electronics. Mann trifft Frau. Tanz trifft Schauspiel. Gesang trifft Sound. Amina Gusner hat diesen Abend inszeniert, Regie geführt und das Stück dazu geschrieben. Als Vorlage diente das Rostocker Liederbuch, welches 51 Werke beinhaltet.

Die Melodien und Texte des vor 100 Jahren vom Archivar Bruno Claußen in der Rostocker Universitätsbibliothek entdeckten Werkes behandeln Themen wie Liebe, Abschied und Sehnsucht. Intendant Sewan Latchinian interessierte eine moderne Darstellung der Inhalte und des Minnesangs und engagierte Amina Gusner. Entstanden ist eine Inszenierung, welche mit Kontrasten der Gesellschaft fast überspitzt arbeitet.

Auf der einen Seite der fliehende, studierte und zeitreisende Ritter, welcher Bindungsängste hat und mit den Erwartungshaltungen der Frauen mehr als überfordert ist, obwohl er gerne mit ihnen „verschmelzen“ würde. Ihm gegenüber steht die Stripperin, welche kaputt und vom Leben gezeichnet die größten Träume von Liebe in sich trägt.
Das Stück katapultiert Nachtgestalten auf die Bühne, welche, wie die Regisseurin sagte, „in den Kosmos geschissen wurden, ohne genau zu wissen, wo sie eigentlich hin leben sollen.“ Es ist die Sehnsucht nach Liebe, Gesundheit und Vollkommenheit, die jeder kennt und irgendwo erhofft. Die Akteure springen in der Zeit und einzelne Splitter werden einem geboten. Eine wild erzählte Geschichte, welche mit archetypischen Gefühlen spielt, Spannung aufbaut und den Zuschauer da mitnimmt, wo ein verbundenes Gefühl einsetzt. Absurde Momente werden durch die enormen schauspielerischen Fähigkeiten der Hauptprotagonisten Till Demuth als Ritter und Inga Wolf als Stripperin hervorgehoben und realistisch fühlbar gemacht. Immer wieder wird man zum Spiel auf der Bühne gezogen und findet sich selbst in einzelnen Momenten. Man spürt regelrecht, wie die Chemie zwischen den Schauspielern und Tänzerinnen Natalie Brockmann und Larissa Potapov knistert.

Leichtfüßig und gefühlvoll tanzen sie zur Musik von Can „Khan“ Oral, der von Amina Gusner eingeladen wurde, um einen Sound zu schaffen, welcher die Sehnsucht, das Düstere und Finstere des Mittelalters in unsere Zeit holt. Entstanden ist ein Soundclash, welcher live bei den Proben eingespielt wurde und das Thema modern verarbeitet. Plastik, Neon und Kühle, wie es auch auf der Bühne durch die minimalistische Gestaltung zu finden ist.
Man könnte fast meinen, ein elektronisches Klischee wurde verarbeitet. Jeder Song spielt mit seiner eigenen Dramaturgie und erschafft einen dreidimensionalen Raum, welcher nicht zuletzt mit der Phantasie des Hörenden agiert. Nie verlässt „Khan“ dabei seine elektronische Ebene, sondern taucht sogar noch tiefer ein. Man erwartet keine Schalmeien, Zittern oder Orgelklänge, das wäre sogar unpassend. Viel eher sucht man den nächsten frickligen Sound, der durch den Gehörgang jagt. Er arbeitete mit einem Vocoder und steuerte so die in der musikalischen Dramaturgie eingesetzten Synthies.

Ein kaum wahrnehmbares, aber unersetzliches Element sind die so genannten „Defeat Recordings“. Tonspuren, welche Sexfetische erklingen lassen. Männer, die sich in Zügen sexuell erleichtern oder in U-Bahn Stationen ihrer Lust hingeben, das Rattern von Rädern auf Gleisen oder das Stöhnen einer Frau. Die Audiospuren wurden von Onlinevideos gelöst und in seine Musik eingebaut.

Obendrauf erklingt die minneartige Stimme von Johannes Meißner und verbindet die Melodiesprache des Rostocker Liederbuches mit den neuen Klängen unserer Zeit. Die Musik pulsiert durch die Adern und straighte Rhythmen bleiben irgendwo zwischen Herz und Lunge stecken. Ein großes Ganzes entsteht und plötzlich sitzt man in Mitten des Gefühlschaos unserer Zeit.

Nächste Aufführung am 11. März 2015

ANTJE BENDA

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HOLGER STARK – ES GEHT NICHT IMMER NUR DARUM, IN EINEM RAUM KUNST AUSZUSTELLEN

JAN 2015 – 0381-Magazin

Holger Stark versucht, die Künstler in Mecklenburg zu verketten und vor allem den lokalen und weiblichen Akteurinnen eine Plattform zu geben. Fünf Jahre hat er die Galerieräume der Wolkenbank gemeinsam mit seinen Kollegen geführt und nebenbei einen Handwerksbetrieb geleitet. Fünf Jahre – die Galerie wird geschlossen, doch die Agentur Wolkenbank wird weiterleben.

Holger Stark ist vielleicht keine 35 mehr, was ihm auch wohl bewusst ist, aber „vollendet“ ist er als Künstler deswegen noch lange nicht. Sein Geist ist lebendig und brennt für die Kunst und seine Menschen.

Der Grundstein wurde dazu  schon in jungen Jahren gelegt. Zu DDR-Zeiten noch als kindlicher Leistungsschwimmer aktiv, wurde im Schulischen irgendwann selektiert. Sportschule oder eben nicht. Holger sollte keinen Platz bekommen. Seine Eltern hatten wohl Angst, dass er auf die schiefe Bahn geraten würde und legten ihm eine Entscheidung auf. Die Wahl bestand zwischen dem Malen oder der Musik. Da ihm allerdings selbst die Handhabung einer Blockflöte vor die größten Herausforderungen stellte, entschloss er sich für die Kunst.

In die Lehre ging er bis ins 21. Lebensjahr bei Waldemar Krämer am Rostocker Konservatorium. Ein Mann, der in Dresden studiert hatte und mit weißem Kittel und Künstlerbart seine ersten Zeichnungen mit einem dicken Stift „zerstörte“. „Holger, du musst größer, du musst kräftiger malen!“ Waldemar Krämer hatte ihn gelehrt, sich nicht zu ducken, es nicht der Gesellschaft Recht zu machen, sondern nach eigenen und unverblümten Idealen zu streben. Das tat er, indem er nach Dresden ging. 1984 konnte er endlich nach langen Mühen dort sein Studium beginnen.

Eine kurze Wankelmütigkeit führte zum baldigen Abbruch, um das Studium daraufhin gleich wieder anzugreifen. 1990 diplomierte er und arbeitet seit dieser Zeit als freischaffender Künstler.

Über Hamburg führte ihn sein Weg über das Royal College of Art in London bis nach Berlin. Er selber sagt über seine Studienjahre, dass sie seinen Blick weiter gemacht haben. Vor allem die Zeit mit seinen Berliner Künstlerkollegen, welche auch in die starken Jahre des Punks vielen, brachten seine kreative Entwicklung einige Schritte voran. Ein Abschnitt im Leben, welcher nötig war, um unter die Oberfläche von Kunst und Kultur schauen zu können.

In Berlin arbeitete er fürs Theater, den Film und ähnliches, da ihm schon damals bewusst war, dass er mit seiner Kunst keine großen Gelder verdienen würde. Zu sehr irritieren seine Werke. Ob digitale Fotografie, Installation, Performance oder Landart. Er zeichnet sich nach wie vor dadurch aus, dass es nicht „süß“ sein will, nicht systemangepasst, sondern Klartext sprechen möchte. So wurde es ihm in Dresden beigebracht.

Erst eine innere Sehnsucht führte ihn 2000 zurück nach Mecklenburg Vorpommern. Er kam mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn zurück und kaufte einen alten Speicher in der Nähe von Rostock, welchen er nach eigenen Vorstellungen umgestalten wollte. Im Frühjahr 2005 übernahm er zudem nach mehreren Jahren freiberuflicher Mitarbeit als Zimmermeister, die Geschäftsführung in der Kerbholz GmbH. Diese zeichnet sich durch ihre Philosophie aus, traditionelles Handwerk mit Geschichtsbewusstsein zu verbinden. 2008 sollte dann ein Wendepunkt in seiner beruflichen Karriere einsetzen. Die Kerbholz GmbH trat erfolgreich an die Seite der Bundesgartenschau in Schwerin und verhalf dem Künstler, Zimmerer, Kurator usw. zu seinem verdienten finanziellen Background.

Die Künstleragentur und Galerie Wolkenbank eröffnete 2009 ihre Räume in der Wollenweberstrasse 24 in Rostock. Die Kunst mit dem Bürger zu vereinen. Eine Art Aufklärung zu betreiben, die Menschen im Sehen und Fühlen der Kunst zu schulen und natürlich ein Netzwerk aufzubauen, sollten die größten Herausforderungen sein. Fünf Jahre liegt diese Entscheidung nun zurück.

60 Künstler und 40 Ausstellungen haben sie in dieser Zeit ausgerichtet. Zahlreiche Künstler mit der Agentur als „Dienstleister“ unterstützt und Kunst nach oben gehalten, die auch mal spröde wirken konnte. Jetzt wird die Galerie geschlossen. Doch wie sagt man? – Jedes Ende ist auch immer ein Anfang. Die Agentur Wolkenbank wird weiter existieren und jungen Künstlern eine Plattform geben. Für Holger Stark bedeutet das auch wieder mehr Zeit für sich. Neue Dinge anzugehen und seine Familienbande intensiver zu pflegen.

Fünf Jahre ohne Urlaub, ohne Pause lässt die Kreativität erlahmen und einen ermüden. Trotz allem ist er stolz und zufrieden mit dem, was er geschaffen hat. Er weiß, dass die Galerie nur ein „Zubuttergeschäft“ war und ihm geholfen hat, seine Vernetzung in und über die Grenzen von Mecklenburg-Vorpommern hinaus zu stärken. Jetzt ist er guter Dinge, dass es für ihn und seine Kollegen von der Wolkenbank erfolgreich weiter geht, schließlich haben sie stets professionell gearbeitet. Als Künstler freut er sich auf seine Pause, da er seine besten Ideen stets in den Phasen der Langeweile hatte.

Wie es auch kommen mag, Holger Stark wird weitergehen und die Menschen inspirieren, sich neuen Dingen zu öffnen und so den Jungen und Kreativen eine Möglichkeit geben, zu bleiben.

ANTJE BENDA

Foto: Thomas Häntzschel/Nordlicht

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Zum Sternenzelt bei Sanddorn und Eisstockschießen

– Von Antje Benda –

Postkarte-Sternenzelt

Es ist die Zeit der Wunder, der warmen Getränke und kalten Füße. Kinder werden sich die Nasen an den Schaufenstern platt drücken und lange Briefe an den Weihnachtsmann verfassen. Zitternde Finger und rote Gesichter werden sich durch die Innenstadt Rostocks schieben. Sie werden den Duft von Mutzen riechen, das Gezeter von gestressten Kindern hören und die tausend blinkenden Lichter sehen, welche die Stadt taghell erleuchten lassen. Doch was ist, wenn man das Schubsen und Drängeln leid ist und trotzdem das Gefühl von warmen Punsch und süßen Leckereien im Kreise seiner Freunde nicht missen möchte? Dann sollte man sich eine Mütze auf den Kopf setzen, den Blick gen Himmel richten und den Sternen folgen. Diese werden zu einem Zelt führen, welches sich auch in diesem Jahr in der Langen Straße 1 auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt platziert hat. Wer jetzt an eine weitere fulminante Fress- und Saufbude denkt, den werde ich nun eines Besseren belehren. Samuel Müller, Sascha Hofmann und Inga Knospe, die Köpfe hinter dem Sternenzelt, haben es sich zur Aufgaben gemacht, einen Ort zu schaffen, der Unterhaltung und Verpflegung in ausgewogenem Maße anbietet.

Die Menschen tummeln sich unterm Sternenzelt. Quelle: Sternenzelt

In diesem Jahr kooperieren sie mit einem Riesen, welcher direkt neben ihrem Zelt sein Bein in den winterlichen Boden gestampft hat. Der City Sky Liner bietet den Rostockern die Möglichkeit ihre Stadt aus 81 Metern Höhe in einer 360 Grad Panoramaansicht zu bewundern. Beim leisen Hinauffahren der Aussichtsplattform wird die Musik aus dem Sternenzelt zu vernehmen sein. Beide Unternehmen gehören zwar nicht zusammen, werden aber miteinander arbeiten, so wie es gute Nachbarn tun. Nach der beeindruckenden Aussicht kann man sich ein gemütliches Plätzchen im Sternenzelt suchen und den Saft aus selbst geerntetem Sanddorn aus Ahrenshoop genießen oder traditionell einen Glühwein trinken. Die Produktpalette ist nicht nur anders, als die von anderen Weihnachtsgeschäften, sie ist auch gesund und vorrangig regional geprägt.

Jeder der im vergangenen Jahr das Glück hatte, den Ort zu besuchen, dem wird aufgefallen sein, dass die drei Organisatoren großen Wert auf Außenaktivitäten legen. Das heißt nicht, dass sie ihr Geld in einen Kuscheltierautomaten oder in Dosenwerfen investiert haben, sondern in sportliche Ganzkörperertüchtigung. Da alle drei aus dem Wassersportbereich kommen, war ihnen dies besonders wichtig. So findet sich direkt vor dem Zelt eine kleine Anlage zum Eisstockschießen, die Möglichkeit gemeinsam Winterski zu fahren oder verrückter Weise einen menschengerechten „XXL Looping Louie“ auszuprobieren. Zu letzterem sind die Tests schon abgeschlossen und man darf sich in kindlicher Manier auf einen kleinen Flugspaß ohne Opfer freuen.

Weihnachtsfeier mit Eisstockschießen. Quelle: Sternenzelt

Freuen sollte man sich auch in diesem Jahr auf ein ausgewogenes Unterhaltungsprogramm. Jeden Mittwoch wird das Sternenzelt zum Austragungsort der russischen Märchen, welche an die Zeltwand geworfen werden. Zudem verwandelt sich die beheizte Zeltoase an mehreren Tagen in eine kleine Konzertbühne. Künstler wie Les Bummms Boys, Camou und Burnin’ Blankets werden an den Freitagen auftreten und daneben wird es jeden Samstag ein Überraschungskonzert geben, welches zusammen mit Radio LOHRO aus Rostock veranstaltet wird. Man sollte also Augen und Ohren offen halten. Doch wer jetzt denkt, dass diese Auswahl an Möglichkeiten den Dreien zur Bedürfnisbefriedigung reicht, der sei enttäuscht. Ein großer Punkt hinter ihrem Konzept ist es, nicht nur dem Gedrängel der Massen zu entgehen und sich einen Ort der Freude zu schaffen, sondern auch die Gesellschaft zu sensibilisieren. Wie schon im vergangenen Jahr, haben sie ein bestimmtes Thema in ihren Workshops für Schulklassen verarbeitet. Besonders Sascha und Samuel lag es im vergangenen Jahr am Herzen das Thema „Meeresmüll“ zu kommunizieren. Dieses Jahr liegt der Fokus auf „Fairtrade“. Man könnte meinen es liegt an der Tatsache, dass sich Rostock seit 2012 als „Fairtrade Stadt“ bezeichnen darf, vielmehr liegt es jedoch an der mangelnden Transparenz. So wollen sie mit den Themen „Fairtrade“ und „Recycling“ vor allem die Kinder informieren und zeigen, was eigentlich genau dahinter steckt. Unterstützt werden sie von Dr. Mossbauer von Oecolog e.V. Er veranstaltet einen Workshop zum Thema „Recycelte Weihnachten“ und möchte die ökologischen Konsequenzen von Abfällen aufzeigen. Das Ökohaus schickt den Kakao ins Rennen und zeigt an ihm exemplarisch, wie an „Weihnachten fair gehandelt“ wird. Daneben wird es für die Schulklassen noch Sportworkshops geben, welche von den Organisatoren des Sternenzelts selbst geführt werden. Zusammengefasst: Sport, Musik, Bildung und leckere Verpflegung, alles vereint unter einem Dach beziehungsweise Zelt. Im Auge eines jeden Betrachters wohl mehr als ausreichend, aber anscheinend noch nicht genug.

Samuel, Sascha und Inga (von links) oder die drei Weisen vom Sternenzelt. Foto: Team Sternenzelt

In der Zeit vom 24. November bis 22. Dezember findet in regelmäßigen Abständen ein Biertasting in Kooperation mit der Brauerei Störtebeker statt, wozu Inga die hauptberuflich in der Veranstaltungsagentur ESEC GmbH arbeitet, extra nach Stralsund in die Brauerei gefahren ist und einen Workshop zum Biersommelier absolvierte. Nun kann sie Samuel und Sascha zu delikaten Experimenten führen. Experimentierfreudig waren die drei Kreativen schon vorher. Bereits im August konnte man via Facebook verfolgen, wie sie an ihren einzelnen Attraktionen bauten, den Sanddorn ernteten oder einen Apfel in der Uckermark pflückten. Dieses Jahr werkelten sie zusätzlich an der sportlichen Disziplin des Swingolfens. Diese erinnert stark an Minigolf, aber arbeitet mit massageähnlichen Bällen. Umrandet wird die Sportart mit einer von Sascha gebauten Kulisse, welche die Rostocker Fassaden abbildet. Der Architekturstudent nahm sich die Hansestadt zum Vorbild, um das Heimische ins Zelt zu holen. Um die daraus resultierenden strahlenden Augen am Glühen zu halten, haben sie das erste Mal ihren eigenen Weihnachtskalender ins Leben gerufen. Man muss einfach ins Sternenzelt gehen, einen Glühwein oder Ähnliches trinken und sich einen Stempel auf seiner Stempelkarte geben lassen. Was es zu gewinnen gibt, erfährt man für den jeweiligen Tag direkt auf ihrer Homepage oder man fragt am Abend bei ihnen nach. Dann nur noch die Karte im Sternenzelt abgeben (egal ob ein Stempel oder voll) und darauf warten, dass am Ende des Abends sein Name fällt. Aber keine Bange, wenn man es nicht bis zum Ende schafft, braucht man nur auf Facebook schauen und erfährt ganz schnell, ob man zu den glücklichen Gewinnern gehört.

Ein weiteres Highlight im Geben wird es zudem im Benefizschießen geben. Das Sternenzelt möchte zusammen mit ansässigen Unternehmen und Künstlern Gelder einspielen, welche Baf e.V. zu Gute kommen sollen. Bereits im vergangenen Jahr wurden 800 Euro eingesammelt. Für dieses Jahr haben sich bereits die RSAG, Future TV, Les Bummes Boys, TV Rostock und Radio LOHRO angemeldet. Mit der WIRO wird zudem der Titelverteidiger des letzten Jahres mit an die Stöcke gehen. Übrigens: das Finale und wohl auch Ende fürs Sternenzelt in diesem Jahr, findet am 21. Dezember statt mit „Alles kann raus nichts muss weg – Sternenzeltflohmarkt“. Samuel, Sascha und Inga werden an diesem Tag einen Teil ihres Inventars verkaufen, somit Platz schaffen und damit den Grundstein für das nächste Jahr legen. Sie wollen neue Ideen realisieren und ihren Gästen nie das Gleiche präsentieren.

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Schritt für Schritt ins Schokoglück

– Von Antje Benda –

Ullrich Deprie im Rostocker Stammhaus seiner Schokoladerie. Foto: Antje Benda

Eine weiche und warme Flüssigkeit läuft in meinen Hals. Ich schmecke die unendlichen Weiten von Sonne. In meinem Kopf kann ich das unglaubliche Grün unberührter Wälder sehen und die Säcke voller Nüsse, wie sie nur darauf warten, in das warme und weiche Nass der Schokolade zu tauchen. Während ich ein weiteres Stück der Haselnussschokolade auf meiner Zunge zerschmelzen lasse, genieße ich nur den Moment. Mir ist nicht klar, welche Arbeit hinter diesem einen zarten und wohlschmeckenden Stück verborgen sind, welche Auflagen und Kosten. Ullrich Deprie kannt die Ausmaße 2005 vielleicht auch noch nicht, als er seine „Schokoladerie de Prie“ am Rostocker Stadthafen eröffnete. Dort entwickelt er Pralinen unterschiedlichsten Geschmacks, Hohlkörper für dickbäuchige Weihnachtsmänner oder dreistöckige Hochzeitstorten für einen der schönsten Tage im Leben eines verliebten Paares. Schritt für Schritt ist er seinen Weg, unter anderem durch Westeuropa, gegangen, um sein kleines, ausgezeichnetes Unternehmen nach vorne zu bringen. 1978, als die Sachsen noch Seefahrer waren, kam er nach Rostock und als Quereinsteiger letztlich zur Schokolade. Hinter seinem Unternehmen steht das Konzept des traditionellen Handwerks eines Chocalatier verbunden mit modernen Rohstoffen und Produkten sowie einem kleinen Großhandelsanteil.

Doch was ist, wenn die Bürokratie einem die Ketten um Hals und Arme hängt und daran hindert, kleine Schokoladenmomente zu verschenken? Blicken wir auf den Augenblick der Komposition einer Praline. Sie findet im Haus Deprie ganz ohne fremdes Zutun statt. Ein Trüffel wird gemischt mit Kräutern und Nüssen in genau dem richtigen Verhältnis. Ein Umstand, der nur mit Fachwissen über sein Handwerk und seine Gerätschaften möglich ist. Doch was wäre, wenn die Nüsse plötzlich dreimal so teuer wären als das Jahr zuvor? Geschehen in diesem Jahr! In der Türkei ist die Haselnussernte fast komplett ausgefallen und es konnten nur fünf Prozent der eigentlichen Masse geerntet werden. Im Umkehrschluss erhöhte sich der Preis für ein Kilo Haselnüsse von 5,10 Euro auf 15,80 Euro. Ullrich Deprie muss sich also fragen, wie er seine Geschäfte am Laufen halten will. Mittlerweile besitzt er Häuser in Warnemünde, Stralsund, Güstrow und Schwerin mit Mitarbeitern und Kunden, welche das besondere Stück Schokolade suchen. Er hat seine Produktpalette um Schokoladenkosmetik, ausgefallene Besonderheiten wie Salami-Haselnussnougatwurst und Torten erweitert, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Es zeigt sich also, je intensiver man in die Schokolade eintaucht, umso schwieriger wird es, das Besondere einzufangen. Neben den steigenden Rohstoffpreisen legt er ebenfalls Wert auf Fairtrade und biozertifizierte Ware, würde aber seine Produkte so nicht kennzeichnen lassen. Viel zu hoch wären die Folgekosten, welche er auf seine Schokolade umschlagen müsste. Dies wäre letztlich das Ende für sein Geschäft.

Bei Schokoladenseminaren können Willige lernen, wie man Pralinen selber macht. Foto: Antje Benda

Solange der Spaß an der Schokolade überwiegt, wird er seinen Weg Schritt für Schritt weiter gehen. Damit auch jeder versteht, warum ihm Schokolade so eine Freude macht, bietet die Schokoladerie de Prie schon seit 2005 Schokoladenseminare an. Dort heißt es: Schürze umbinden, fünf Minuten Einführung und dann ans Arbeiten. Schokolade wird eingeschmolzen, Pralinen gegossen oder in Schokolade geschrieben, alles mit Spaß im Hintergrund und ohne große Geräte. So kann man auch zu Hause seine eigenen Trüffel zaubern. Im Laden können die Kunden bodenständige Trüffel, Seifenstückchen mit Schokolade zum Baden oder einen personalisierten Weihnachtskalender für Rostock erstehen. Vielleicht alles etwas teurer als im Supermarkt, da Kakaobutter börsennotiert ist, aber im Gegensatz zum Discounterschokoweihnachtsmann haben seine Jungs den Kakao nicht nur gesehen, sondern sind auch in ihm geschwommen und haben ihn praktisch inhaliert.

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Ein Karikaturist und seine unförmigen Werke

Ivan Prado lebt seit mittlerweile 15 Jahren in Rostock. Sein Weg hat ihn damals aus Peru – ohne Sprach-, Landes- und Mentalitätskenntnisse – zu seinem neuem Lebensmittelpunkt geführt. Heute ist Rostock seine Heimat, doch Karikaturen zeichnet er nach wie vor für die Welt.

– Von Antje Benda –

Wenn man durch die Straßen von Rostock läuft, sieht man das ein oder andere kreativ gestaltete Haus. Sei es das Molotov in der Waldemarstraße oder das Cafe Liebreiz am Doberaner Platz. Die Häuser weisen ihre ganz eigene Note auf und zeigen die individuelle Gestaltungsfreiheit eines Künstlers. Gegenüber vom Volkstheater steht in der Doberaner Straße ein Gebäude mit einer gelben Fassade, verziert mit türkisfarbenen Wellen an der Wurzel des Hauses. Der Künstler hinter der Wand oder besser der Malerei ist Ivan Prado.

Ivan Prado - Foto: Antje Benda

Ein Karikaturist aus Peru, der die Umkleidung noch mit Pinsel, Schweiß und Ausdauer bemalte – statt wie heute manch anderer mit Sprayfarben, schnell und mit weniger Aufwand. Welche Art der Gestaltung die Bessere und Aussagekräftigere ist, sei jedem frei denkenden Menschen selbst überlassen. Er war damals jung, hatte falsch kalkuliert und würde es heute anders machen. Am Ende hat es für ihn jedoch denselben Effekt: ein Bild, das Emotionen in den Menschen hervorrufen soll und sie hoffentlich erfreuen wird. Damals malte er viel in privaten Häusern und zeichnete live auf Messen, Jubiläums- und Firmenfeiern. Ivan entschied sich mit den Jahren zwar nicht gegen den Pinsel, aber für einen neuen und somit weiteren Kanal seiner Kreativität. Die Wandmalerei war nie seine Hauptaufgabe, sondern – dass wird jeder schnell merken – die Karikatur. Ob in Öl, Acryl oder Pastell, ob auf Leinwand oder auf dem Computer: Die Kreativität eines Ivan Prados fand, findet und wird wohl auch nie ein Ende finden.

Prados Motive sind meist Personen des öffentlichen Lebens oder historische Charaktere wie John Lennon. - Foto: Antje Benda

Bereits im zarten Alter von neun Jahren hatte der Künstler Menschen und Tiere in anderen Proportionen, als den uns bekannten gezeichnet. Nicht weil seine Wahrnehmung getrübt war, sondern weil er die daraus resultierende Aufmerksamkeit seiner Freunde und Mitschüler wecken konnte und wohl auch wollte. Obwohl er ein Studium der Biologie bestritt, sollte er letztlich durch sein inneres Bestreben seinen Platz bei der Zeitung „Arequipa al dia“ als Karikaturist für politische Themen finden. Da die Zeitung die politische Ausrichtung der Stadt nicht unterstützte, fehlten bald die Gelder für Honorare der Angestellten und Ivan musste sich nach Drohung und Verfolgung für einen neuen Lebensweg entscheiden. Er wanderte nach Rostock aus, wo bereits sein Bruder lebte, und begann praktisch wieder bei null. Schnell musste er entdecken, dass es nicht einfach war in Rostock Fuß zu fassen. Ein neues Land, eine neue Sprache und eine neue Mentalität. Ein hartes Pflaster, auf welches er sich in den 90er Jahren begab, um einen neuen Weg zu finden.

Eine Karikatur von Prado zeigt Rembrandt. Foto: Antje Benda

Mit Live-Malerei auf der Promenade von Warnemünde verdiente er sein erstes Geld in Deutschland und konnte zu Zeiten der Hansesail auch mal mit 1.700 Euro in vier Tagen nach Hause gehen. Der zeitliche Druck und die Fließbandarbeit waren ihm jedoch eine gute Schule und gaben ihm mehr als jede Ausbildung. Heute besitzt er sein eigenes kleines Atelier in Marienehe. Dort zeichnet er zwar nur noch selten an seinen Karikaturen, aber wenn, dann mit Herz und Leidenschaft. Seine Motive sind meist Personen des öffentlichen Lebens oder historische Charaktere, welchen er immer in gewisser Form zugeneigt ist. Der Weg zu dieser Gelassenheit war weniger als einfach, nicht zuletzt aufgrund der nordischen ‚Muffligkeit‘, die er nur schwer zu knacken wusste. Ivan beschreibt seine Beziehung zu Rostock als eine Art „Hass-Liebe“. Er kann nicht mehr ohne uns, auch wenn man den Rostocker Muschelschuppser nur schwer lieben darf.

Durch eine Fortbildung im Jahre 2002 am Institut für neue Medien lernte er, wie man am Computer zeichnet und erschloss so ein neues Feld für sich, das ihm heute sein Leben finanziert. Er braucht meist nicht mehr als etwas Strom und das entsprechende technische Equipment, um eine Karikatur zu erstellen. Nun malt er eine Nase übermäßig groß oder eine Frau übermäßig dick und mit voluminösen Brüsten einfach mit einem elektronischen Zeichengerät. Stark diskutieren könnte man an dieser Stelle, inwieweit dann noch ein Kunstdruck von ihm als Original zu bezeichnen ist und welchen Wert dieser besitzt. Eine Gretchenfrage, welche ich den Kunstkritikern dieser Welt überlassen möchte. Letztlich sprechen die Auszeichnungen für sich. 2013 bekam Ivan Prado den ersten Preis im Bereich Karikatur auf dem „Cartoon World Festival“ in Porto (Portugal) und dieses Jahr den dritten Platz auf dem „Dieter Burkamp World Award for Caricature“. Wer Glück hat, besitzt noch einen „Ivan Prado“ aus seinen Warnemünder Zeiten und wer noch mehr Glück hat, trifft den Cartoon World Festivaletten Peruaner mal irgendwo in Rostock. Schnattert etwas mit ihm und lässt sich dann zeichnen.

Auch interessant: Ein Porträt von Frank Schlößer und Kai Küken über Ivan Prado (produziert für MV1)

Veröffentlicht in www.alles-mv.de

Kultur und Wirtschaft reichen sich die Hand

Vor einem Jahr feierte in Rostock das „regio:polis – Kunst- und Kulturfestival der Regiopolregion“ seine Premiere. Der Erfolg unterstützte die zweite Auflage und führte sogar zur Kooperation mit Dänemark.

– Von Antje Benda –

Quelle: www.Regio-polis.de

Regio:polis möchte der Kunst und Kultur in Rostock und ihrer Umgebung ein Gesicht geben. Eine große Anzahl Kulturschaffender sind diesem Aufruf gefolgt und werden vom 4. bis 12. Oktober in Kooperation mit lokalen Unternehmen der Stadt ein erfrischendes Gesicht geben. Morgen soll der „Running Vision Day“ nicht nur die Auftaktveranstaltung sein, sondern auch Lust auf mehr machen.

Die Idee hinter „regio:polis“ beschreibt Teresa Trabert als Projekt, welches Kunst und Kultur sichtbarer machen will. Dafür haben die jungen kreativen Köpfe hinter dem Vorhaben ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Antreffen wird man die Köpfe und ihre Ideen überall in der Stadt. Abwechslungsreiche Veranstaltungen über Musiktheater hin zu Konzerten mit Felix Meyer im JAZ, Ausstellungen und Vorträgen zur Fotografie. Um Aktivisten für dieses Projekt zu finden, wurde unter anderem im März ein Aufruf über den Kreativsaison e.V. gestartet. Es wurden Menschen gesucht, die Lust haben, sich an dem Festival zu beteiligen.

So kam auch Mathias Marx zu dem Projekt. Er hat sich mit einem Freund zusammengetan und gemeinsam eine alternative Stadtführung ins Leben gerufen. Sie werden am 4. Oktober mit ihrem Publikum durch die KTV ziehen und Street Art mit der Geschichte Rostocks verbinden. Betrachtet werden spezielle historische Felder, welche in den normalen Geschichtsbüchern nicht verzeichnet sind. Aufgrund des allmählichen Versterbens der Zeitzeugen drohen diese auch in Vergessenheit zu geraten. Marx will die einzelnen Etappenziele miteinander verbinden. Start ist am Samstag um 14 Uhr am Kröpeliner Tor. Enden wird der Rundgang in der neuen Culttourhalle “Pi 13″ beim Auftritt von „Status Wo?“.

Thomas-Michael Schmidt präsentiert Henrich Hünicke nicht nur im Fachhandel im Schutower Ring, sondern auch nach außen beim regio:polis Festival. Foto: Antje Benda

Neben dem Startpunkt für den Stadtrundgang findet sich am Kröpeliner Tor auch der Verbindungspunkt des „Running Vision Day“ und eine Livepainting Session unterstützt vom Unternehmen Heinrich Hünicke. Sie stellen Künstlerin „Edelding“ zwei Leinwände, Farben und Pinsel zur Verfügung und präsentieren sich als Anbieter für Künstlerbedarf vor Ort. Seit 1995 befindet sich der Unternehmenssitz im Schutower Ring in Rostock. Für Regio:polis ist die Firma Hünicke in die Innenstadt gekommen, um Wirtschaft und Kultur zueinander zu führen. Eine ähnliche Aktion veranstalteten sie bereits im Frühjahr im Rostocker KTC mit Aquarellmaler Frank Köbsch, der auch jetzt beim regio:polis von dem Unternehmen ausgestattet wird. Zudem engagiert sich das Unternehmen im Sponsoring mit der Kunsthalle.

Viele weitere Punkte werden beim regio:polis Festival zu entdecken sein. Es ist dabei jedem selbst überlassen, ob man alle mitnimmt oder nur einige spezielle für sich herauspickt. Ankerpunkt ist die Verknüpfung mit der lokalen Wirtschaft sowie die Vernetzung der kulturellen Vereine miteinander. Das Beispiel Hünicke zeigt, dass die Veranstalter dazu angeregt haben, nicht in den eigenen Räumen ihre Events auszurichten, sondern nach draußen zu gehen und auf ganz neue Orte zu stoßen.

Ebenfalls geschehen beim Theater „Fabula Luna“ aus Siemitz. Lieder und Geschichten außerhalb des Horizonts werden diesmal im Klinikum der Südstadt erzählt. Ein Ort, welcher zunächst befremdlich für das darstellende Spiel wirkt, aber neue und interessante Möglichkeiten eröffnet.

Das komplette Festival findet in Kooperation mit der dänischen Nachbargemeinde Goldburgsund statt und wird so den Austausch mit Dänemark antreiben. Die Vielzahl und Spannbreite der Aktionen lässt sich natürlich im Internet unter www.regio-polis.de abrufen oder man geht morgen direkt zur Visionszentrale am Kröpeliner Tor. Die Organisatoren werden dort garantiert jede Frage beantworten.

Veröffentlicht in 0381-Magazin

PHILIPP MARKWARDT – FRISCHER WIND IM NETZWERK

Die Opennet-Initiative in Rostock gibt es seit 2005, Radio LOHRO gibt es ebenfalls seit 2005. Was haben beide Projekte, außer ihrem Startzeitpunkt und Austragungsort gemein? Den jungen engagierten und wissbegierigen Philipp Markwardt. Der Rostocker geht zwar nicht gern in die Ostsee, aber sonst hat er kaum Negatives an der Stadt zu finden und hier seinen Heimathafen wohl auf ewig gefunden.

Wofür liebt man Rostock? Für seine architektonischen Besonderheiten, wie zum Beispiel die Lange Straße? Eher selten. Für die wunderbaren Verkehrsverbindungen zwischen Rostock und Warnemünde? Unter Umständen. Oder für die seit Jahrhunderten dahinwogende Ostsee? Natürlich. So auch bei dem durch und durch hanseatischen Jung Philipp Markwardt. Könnte man meinen, ist aber nicht ganz der Fall. Der gebürtige Rostocker steht zwar auf das maritime Flair, die Hafenindustrie und das Sitzen am Wasser, aber das Planschen ist nicht so sein Ding. „Ich mag das Wasser und die ganzen Gerüche, aber schwimmen gehe ich nicht gerne. Ich werde halt nicht gerne nass und trockne mich danach nicht gerne ab.“ Trotz dieses kleinen sympathischen Makels, ist er eine Bereicherung für unsere Hansestadt. Aufgewachsen in Lichtenhagen hat er bis heute Rostock nicht den Rücken gekehrt, sondern auch ein privates Netzwerk für sich aufgebaut. Der Ostseeraum war schon immer der Standort seiner Familie und zieht sich sogar bis in den polnischen Bereich hinein. Kaum verwunderlich also, dass es sein Lebensmittelpunkt werden sollte. Hier zu Schule gegangen und mittlerweile immatrikulierter und auch wirklich zur Universität gehender Student. „Rostock hat mir einfach all das geboten was ich brauchte. Ich habe meine Kontakte hier und bin nicht der Typ der gerne aus seinen Umfeld gerissen wird. Zudem ist es schwer mit Rostock als Studienort zu konkurrieren, wenn sie sogar den richtigen Studiengang vorweisen können. Woanders hätte ich mich komplett neu einfinden müssen und das war für mich eine ziemliche Hürde. Rostock bietet mir kulturell ziemlich viel. Es ist wie ein großes Dorf und besitzt eine Größe die noch Spaß macht. Man kann Leuten, wenn es notwendig wird auch mal aus dem Weg gehen. Zudem stellt sie einem Möglichkeiten bereit und beraubt einem nicht dieser.“ Philipp ist eingeschrieben für ‚Technische Informatik/Informationstechnik‘ an der Universität Rostock und hat alle nötigen Prüfungen der vergangen Semester zu seiner Zufriedenheit bestanden. Neben der Universität huscht er flink wie ein Wiesel an die alternativen Hotspots und ist überall regelmäßig anzutreffen. Sollte ihr auf den Straßen mal ein kleines schwarzes Motorad sehen, welches man auch gut als ‚Kinder-Harley‘ einstufen könnte. So ist es Seins. Der fahrbare Untersatz passt nicht nur in jede Parklücke oder jeden Fahrradständer, sondern bringt ihn auch zuverlässig und ‚Speedy Gonzales‘ mäßig zu seinen Knotenpunkten der Stadt. Zuletzt schwang er seine meist schwarz gekleideten Tanzbeine zur griechischen Weltmusik von ‚Imam Baildi‘ im Peter Weiß Haus. So aufgeschlossen er gegenüber Rostock und seiner musikalischen Landschaft ist, so ist er es auch den Menschen. Er engagiert sich in der ‚Opennet-Initiative‘, welche nach dem Motto „Klare Luft, freie Netze“ in Rostock und Umgebung, sowie Teilen von Schwerin ein freies Funknetz aufbauen. Gemeinschaftlich fördern sie seit 2005 freie und offene Kommunikationsinfrastrukturen. „Wir haben aktuell glaub ich 180 Mitglieder. Der Verein arbeitet innerhalb von Rostock ziemlich aktiv. Vor allem haben wir hier eine Art Intranet platziert. Das Netz wurde vor Ort sehr dicht gewoben. Das Prinzip ist es, dass jedes Mitglied über die Stadt verteilt einen WLAN Router bei sich aufstellt. Darüber kann man sich dann ziemlich einfach unterhalten. Man muss zur Kommunikation nicht mehr das Internet nutzen, sondern kann sich einfach so austauschen. Es ist letztlich nur ein Zusatzprodukt, welches dabei entsteht.“ Dem einen oder anderen mit Internetfähigem Handy wird dies schon aufgefallen sein. Immer wenn join.opennet-initiative.de erscheint, könnte man über das Projekt surfen. Finanziert wird der Verein über die humanen Mitgliedsbeiträge, die dazu dienen vor allem größere Standorte aufzubauen. So geschehen durch die Kooperation mit der Universität Rostock. Bei Opennet nimmt Philipp nicht nur die Rolle eines Aktivisten ein, sondern ist ebenfalls im Vorstand in Bewegung. „Dies erfordert aber nicht viel Arbeit“, scherzt er und führt weiter aus: „Wir kommunizieren stark intern miteinander und so ist es einfach nicht wirklich notwendig.“ Ihren Sitz haben sie in der Frieda 23, dem alternativen Kultur- und Medienzentrum in der Friedrichstraße. Neben Opennet werden in der umgebauten Schule neun weitere kulturelle Institutionen der Stadt beherbergt. Unter anderem auch ein weiteres Projekt, für welches ein Teil seines Herzens schlägt. Seit dem 24. September darf sich Philipp Markwart Redaktionsausschussmitglied bei Radio LOHRO nennen. Eine Position, welche er sich durch seine ehrenamtliche Tätigkeit im Technikbereich erarbeitete und sein noch junges Mitwirken am Programm (Aktuell unterstützt er die Sendung Sternradio auf LOHRO – Samstags ab 24 Uhr). Gemeinsam mit Christoph Lenz und Judith Menzl ist er die neue Vertretung der Mitmacher und seiner Redaktionen. “ LOHRO ist für mich ein Kutter, der funktioniert. Aber man hat Angst ihn anzufassen, weil dann was kaputt gehen könnte. Das ist nicht negativ gemeint, viele Fragen sind einfach offen, vorallem wie etwas funktioniert. Auch für mich ist noch nicht alles beantwortet. Ich möchte einfach das LOHRO wieder mehr experimentiert und die Transparenz für Leute die ehrenamtlich mitwirken voran treiben.“ Zusammen wollen sie für Mitmacher und Interessenten einen besseren Überblick schaffen und den Fakt nutzen, dass Judith und er als neue Köpfe die Dinge anders sehen. Er will dem Projekt einen neuen Blickwinkel und somit die Möglichkeit der Veränderung geben. Positiv schaut er in die Zukunft nicht nur für LOHRO, Opennet und seinem Universitätsabschluss, sondern auch für Rostock. Seine Heimat.

Antje Benda